Gute Pflege kostet Geld, dafür muss man kämpfen

Bei der aktuellen Diskussion zum Pflegenotstand, gibt es viele Experten, die wissen was zu tun ist, aber wenig hilfreiche Expertisen, die wirkliche Lösungen anzubieten haben. Mehr Stellen, bessere Bezahlung, Ausbildungsförderung, alles gut, aber es bleibt immer die Frage nach den Kosten und wenn man genau hinschaut, machen alle Politiker einen großen Bogen um das Thema, denn keiner von ihnen will die Pflegeversicherungsbeiträge zu sehr strapazieren und aus dem Topf der Steuergelder sind die notwendigen Milliarden auch nicht zu erwarten. Da hilft nur der Druck der Betroffenen.

Vor zwei Jahren schrieb Daniel Drepper in einem Beitrag mit dem Titel „Wer gut pflegt, zahlt drauf“ „Ein schlecht bewertetes Hotel bucht kaum jemand. Warum funktioniert das nicht für Pflegeheime? Drei Probleme müsste man lösen, damit Qualität sich durchsetzt“.       Seine Begründungen:

  1. „Pflegeheime lassen sich nicht vergleichen
    In allen Branchen gibt es diesen Preisdruck. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied. Ein billiges Auto, das Mängel hat, erhält schlechte Kritiken – und verkauft sich nicht. Ein günstiges Hotel, dessen Personal unfreundlich ist, wird schlecht bewertet – und kann am Markt nicht bestehen. Es gibt Produkttests und Bewertungsportale. All das gibt es für Pflegeheime nicht.
    Weshalb zu niedrige Pflegesätze meist durchgehen
  2. Zu viele Menschen reden bei der Finanzierung mit
    In jedem einzelnen deutschen Bundesland werden Rahmenverträge ausgehandelt, von drei Parteien: den Pflegekassen, den Sozialämtern, den Heimbetreibern. Dabei müssen sich stets alle Beteiligten einig sein. Auf Bundesebene reden bei den Verhandlungen allein 14 Verbände mit, die Pflegeeinrichtungen betreiben.
  3. Sozialämter fördern Billig-Pflege
    Warum? Die Preise in der Pflege steigen, aber die Pflegekassen zahlen weiterhin genauso viel wie zuvor. Das führt dazu, dass der Eigenanteil für die Bewohner und ihre Angehörigen seit Jahren steigt. Das gleiche Problem gilt in besonderem Maße für all jene, die sich diesen Eigenanteil nicht leisten können. Diese Gruppe beantragt Hilfe vom Staat. Darum sitzen auch die Sozialämter der Städte und Gemeinden mit am Verhandlungstisch, wenn die Pflegesätze ausgehandelt werden. Die meisten deutschen Städte sind pleite. Was dazu führt, dass die Sozialämter die Kosten noch härter drücken als die Pflegekassen.“

An diesen Bedingungen hat sich bis heute nichts geändert. Der einrichtungseinheitliche Eigenanteil, der seit 1.1.2017 mit dem Pflegestärkungsgesetze II eingeführt wurde, ist jetzt für alle Pfleggrade gleich groß, damit hält der Gesetzgeber im Bereich der Pflegeversicherungen seine Kosten stabil, wälzt aber alle Kostensteigerungen in den Einrichtungen auf die Bewohner und die kommunalen Sozialhilfeträger ab, außerdem ist die Durchsetzung höherer Pflegesätze für die Träger nach wie vor schwierig, zeitaufwendig und kostenintensiv, denn sie müssen immer in Vorlage treten und unter Umständen auch den Rechtsweg beschreiten. Dieser Teufelskreis kann nur durchbrochen werden, indem die Träger für kostendeckende Beträge kämpfen.

Ja, das ist leichter gesagt als getan, aber es ist die einzige Möglichkeit. Der Staat mit seinen Gesetzen, die Pflegekassen und die Sozialämter drücken mit den oben beschriebenen Voraussetzungen seit Jahren auf die Preise, dass zwingt Träger und Anbieter sich aus Tarifvereinbarungen zu verabschieden und die Kosten zu reduzieren, um nicht in die Insolvenz abzustürzen. Die Lösung heißt also, Tarif bezahlen, das in einer gut nachvollziehbaren Buchhaltung abbilden und mit den realistischen Zahlen neue Pflegesätze verhandeln, dabei muss man die Sorge überwinden, dass die dann verhandelten höheren Beträge von den Bewohnern mit finanziert werden müssen, denn die Politik hat das so gewollt. Der Druck, der dann bei den Betroffenen entsteht, muss auch mit aller Konsequenz an die Politik übergehen. 
Brauchen sie Unterstützung bei solchen Verhandlungen, ich habe viel Erfahrung damit, melden sie sich, ich helfe ihnen gerne. www.schrey.net

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„Ja, wir haben verstanden“ und keiner versteht!

Beim Mittagessen in einem Selbstbedienungsrestaurant sitzt neben mir am Tisch eine Mutter und ihr 11 Monate altes Baby. Als ich mein Essen hinstelle, steht die Mutter gerade auf und sagt zu dem Kind: „ Du machst das schon“ und geht zu dem Bäcker nebenan, um sich noch etwas zu holen. Ich schaue zu dem Baby hin und lächle es an, wir haben schnell Blickkontakt und ihr Gesicht entspannt sich, ich reagiere auf ihre Mimik und Gestik, wir lächeln, zwinkern, bewegen den Kopf hin und her, der kleine Spatz agiert und reagiert fröhlich mit unterschiedlichen Lauten und Geräuschen und so kommunizieren wir eine Weile, bis die Mutter wiederkommt.

Das 3. Axiom von Watzlawick heißt „Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung“ oder man kann auch sagen „so wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“. Übertragen wir das auf die aktuelle Pflegesituation, stellen wir schnell fest, die in der Pflege Aktiven rufen, „Hilfe, wir können nicht mehr“ und die auf der anderen Seite des Kommunikationskreises sagen: „Ja, wir verstehen euch“, sie antworten aber mit Beruhigungen, Versprechungen, Ausflüchten. Die Rufer erwarten aber Antworten, Antworten die ihnen helfen, Entspannung und Erleichterung in ihre Arbeit bringen. Was machen Menschen, wenn ihre Hilferufe nicht verstanden, nicht ernst genommen werden? Kommunikation ist ein Kreislauf, Reiz- Reaktion. Einige reagieren mit Rückzug, andere werden aggressiv und wütend. Hätte ich auf das Baby nicht reagiert, es nicht beachtet und weggeschaut, die Gesichtszüge veränderten sich schon, als die Mutter wegging, was wäre passiert, womöglich hätte es schnell angefangen zu weinen oder gleich zu schreien. So ist es auch beim Thema Pflegenotstand, endlich äußern sich Pflegekräfte und sagen: „Wir brauchen mehr Zeit für die Menschen, unsere Fachlichkeit ist in Frage gestellt und die Werte wie Respekt und Würde vor dem Leben, gehen den Bach runter“ und Politik antwortet: „ Ja, ja , wir müssen auf unsere Gesetze und Finanzen achten.

Es scheint ein Phänomen der politischen Entwicklung zu sein, der Bürger hat nicht mehr die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Politiker, sie hören nicht zu und so entwickelt sich eine Verhaltenskette, die an vielen Stellen unterbrochen ist, das nennt man Kommunikationsstörungen. Die Folgen sind absehbar, die Menschen ziehen sich zurück, machen ihr „eigenes Ding“, d.h. in der Pflege, Rückzug in Krankheiten oder Ausstieg aus dem Beruf, ein Teil wird die „Kommunikation“ mit kämpferischen Mitteln, wie Demonstrationen, Briefen oder „Hilferufe“ in den Sozialen Medien fortsetzen, aber das bleibt eine einseitige Reaktion ´auf das nicht gehört werden` und die Gefahr steigt immer weiter, dass die Pflegesysteme nach den aktuellen ersten Implosionen dann auch explodieren.

Illustration Jürgen Pankarz

Die Kommunikationskette zwischen Politik und Bürgern ist zerrissen, die Meinungen der Bürger lassen Politiker sich von Wissenschaftlern gefiltert in sogenannten wissenschaftlichen Expertisen übermitteln und haben dabei das Gefühl, fundierte Aussagen zu bekommen, weil es doch wissenschaftlich begründet ist. Gesetze und Projekte werden dann durch Lobbyisten und Fach-Experten begleitet und gesteuert, und die Stimme des Volkes ist längst im Hintergrund verhallt, so wie es die Pflege z.Z.t erlebt. Ich wünsche mir, dass Politiker wieder zuhören, und spüren was die Menschen ihnen zu sagen haben. Wenn sie dann antworten, dann bitte so, dass der Gesprächskreislauf nicht durch ihren eigenen Rückzug aus Angst vor der Realität unterbrochen wird und zu noch mehr Frustration und Lähmung führt, sondern eine Kette von positiven Impulsen und wirklichen Lösungen initiiert. Antworten der Politik könnten z.B. für die Pflege lauten: „ Ja wie haben verstanden, bis zum Jahresende bringen wir ein Gesetzt für einen einheitlichen Tarifvertrag für Pflege auf die Beine, der Eigenanteil der Betroffenen wird auf eine Summe von 1000 Euro pro Monat festgeschrieben und es gibt ein Gesetz, dass mit Pflege keine Gewinne mehr gemacht werden dürfen. Das alles kostet sehr viel Geld, aber wir haben über Jahre hinweg die Pflege in die falsche Richtung gelenkt und müssen jetzt umsteuern, das ist unsere Verantwortung für die pflegebedürftigen Menschen“. Stellen wir uns vor, so würden verantwortungsvolle Politiker reagieren, dann wäre Ursache und Wirkung im Kommunikationskreislauf zwischen Bürgern und Politikern wieder im Einklang.

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Digitalisierung in der Pflege, Fluch oder doch lieber Segen

Alle reden von der Digitalisierung in der Pflege, jahrelanger war das Thema ein Stiefkind, jetzt soll alles ganz schnell gehen. Die Bundesregierung will es fördern, wie immer mit Beträgen die dem Haushalt nicht weh tun, aber der Praxis auch nicht helfen. Deshalb kann man nicht darauf warten, bis Politik ein paar „Förder-Euro“ausgeben will. Die Evangelische Heimstiftung in Stuttgart zeigt seit Jahren wie es gehen kann und nimmt z.B. mit seinem Projekt „Aladin in Labor und Praxis“ auch die Menschen mit auf den Weg, sie können die Technik erproben und werden schrittweise herangeführt. Es sind aber viel zu wenige Träger, die so offensiv an das Thema Digitalisierung in der Altenhilfe herangehen.

Eine Vision, die elektronische Bewohnerakte
Träumen wir einmal und stellen uns eine Digitale Welt in der Pflege vor, in der der „gläserne Bewohner“ im Mittelpunkt steht. Gläserner Bewohner, der Begriff schreckt ab, aber digitale Techniken, die die Arbeit der Altenhilfe erleichtern würden, gibt es heute schon. Also nennen wir es eine Vision, dass alle Einrichtungen für jeden Bewohner eine elektronische Bewohnerakte haben, in die alle relevanten Daten einfließen und die als Mittelpunkt eines umfangreichen und aktuellen Daten- und Informationspools dient. Die Daten werden von den Pflege- und Betreuungskräften ebenso wie den behandelnden Ärzten, Physiotherapeuten und administrativen Mitarbeitern zusammengetragen. Die Datenerfassung erfolgt durch die Pflegekräfte mobil, mit Geräten, die mit Kamera und Spracherkennung ausgestattet sind, die Spracherkennung kann außerdem verschiedene Sprachen übersetzen, sodass auch die Kollegen/innen mit Migrationshintergrund es unkompliziert nutzen. Von den Essenwünschen über die ersten Rötungen eines beginnenden Dekubitus bis zu Rückmeldungen z.B. an die Angehörigen, wird alles dokumentiert. Eine weitere Datenquelle ist ein Armband, das der Bewohner trägt, es übermittelt die Vitalwerte und Ergebnisse der jeweiligen Medikamentenbehandlung (Beispiel: www.aparito.com), gleichzeitig ist es auch in der Lage, bei dementen Bewohnern zu signalisieren wenn sie das Haus verlassen. Ein sensorisches Pflegebett misst regelmäßig das Gewicht des Bewohners und gibt sofort einen Hinweis bei problematischen Abweichungen, es wird die Körpertemperatur gemessen und sollte der Bewohner in der Nacht sehr unruhig werden, bekommt der Nachtdienst ebenfalls einen Hinweis. An fest montierten Tablets auf Fluren und öffentlichen Bereichen, sind alle Daten auch überall abrufbar und gegen Missbrauch durch persönliche Identifikation geschützt, bekannt als Kellnerschlüssel von Restaurantkassen.

Digitalisierung kann auch Segen sein
Viele digitale Netzwerke begegnen uns tagtäglich, vom DHL Dienst bis zum Orderman im Restaurant nutzen wir sie für relevante Informationen, die wir zeitnah und an unterschiedlichen Orten abgeben oder erhalten. Also, warum in der Altenpflege Daten schriftlich oder durch eintippen in den Computer zeitaufwendig erfassen und dokumentieren, wobei die Fehlerquote noch hinzukommt. In digitalen Systemen werden die Daten automatisch erfasst, mit dem Armband, im Pflegebett oder alle beweglichen Informationen mit der mobilen Spracherfassung. Die Erleichterungen für die Mitarbeiter sind umfangreich, alle regelmäßigen, gesundheitlichen Checkups werden automatisch zu festen Zeiten, zuverlässig durchgeführt, die Gewichtskontrolle ist automatisiert und viele Wege und zeitlich aufwendige Messungen und Kontrollen, übernimmt dann das System. Konsequenz, z.B. keine Wiegelisten mehr, automatische Gewichtskurven und Signale bei Abweichungen, Blutdruck Kontrollen, oder Diabetiker Werte mit aktuellen Rückmeldungen, aber auch die beteiligten Ärzte erhalten alle gesundheitlichen Messdaten automatisch und können bei Veränderungen zeitnah reagieren, Apotheken liefern die rezeptierten Medikamente, bei einer Krankenhauseinweisung erhält die Klinik automatisch alle wichtigen Daten und die Angehörigen werden, wenn gewünscht, über wichtige Entwicklungen ihres Verwandten sofort informiert und das sind  nur einige der vielfältigen Möglichkeiten. Was für eine Zeitersparnis und wenn mehr Einrichtungen die Systeme nutzen würden, könnten auch Änderungswünsche und weitere Entwicklung schneller umgesetzt werden.

Der Krankenwagen ist besser als die Pferdekutsche
Mitarbeiter in der Pflege finden ihre Motivation für diese Arbeit vielfach in dem zwischenmenschlichen Fürsorgeaspekt und haben Angst vor technischer Unterstützung. Die Ethik Diskussion gehört deshalb begleitend zu diesem Thema. Es ist eine grundlegende Wende, der die gesamte Altenhilfe sich stellen muss und das verunsichert natürlich auch, denn sonst wäre der Einsatz der Digitaltechnik heute selbstverständlich. Wilhelm II hat einmal gesagt: „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung“. Wie froh sind wir heute, wenn der Krankenwagen schnell kommt und wir nicht auf die Pferdekutsche warten müssen. Altenpflege braucht aber unbedingt den nächsten Schritt in die Digitalisierung um diese Technologie in der täglichen Arbeit selbstverständlich zu nutzen. Es muss aber auch ganz klar sein, die Zeitersparnisse sind keine für den Träger verfügbare Masse, die frei werdenden Ressourcen werden ausschließlich für die zwischenmenschlichen Fürsorgeaspekte gebraucht, dann ist auch der Altenpfleger wieder bei seiner Profession .

 

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Meilenweit entfernt von einer Pflegereform

„Die Selbstverwaltung hat versagt“, schreibt Frau Heintze in ihrem Artikel „Meilenweit entfernt von dänischen Verhältnissen“ am 28.5. in der ZEIT. Es ist der Versuch, den Ursachen des Pflegenotstands auf den Grund zu gehen und die deutsche Situation mit guten Alternativen in anderen Ländern zu vergleichen. Warum steht die Pflege heute da wo sie ist? Ist es die Selbstverwaltung der Pflegebetreiber, die eine positive Entwicklung verhinderte, hat man den Bock zum Gärtner gemacht, können andere Länder es besser, vergleicht man vielleicht  Äpfel mit Birnen? Die Entwicklung der Pflege hat sehr viele Aspekte und der reine Zahlenvergleich kann zwar das Verhältnis von Betten zu Pflegekräften in den Krankenhäusern in Relation setzen, beschreibt die Ursachen des Pflegenotstands in der Altenhilfe aber nur zum Teil, denn bis auf die Vermarktung des Gesundheitswesens durch die Politik, hat die Altenhilfe eine andere Entwicklung genommen als der Krankenhausbereich.

Teildienste, Ursache und Wirkung
Mit dem Pflegeversicherungsgesetzt 1995 (SGB XI) und der Föderalismusreform 2006 hat die Politik Weichen gestellt, die die Altenhilfe schrittweise wirtschaftlich ausgehöhlt und so in eine Situation geführt hat, in der der zunehmende Druck auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen wird. Vor diesem Hintergrund müssen auch die Lösungsansätze unterschiedlich sein, denn eine bessere Bezahlung und mehr Fachkräfte sind nur ein Teil des richtigen Weges.  Mit der Pflegeversicherung wurde das Selbstkostendeckungsprinzip für die Altenpflege abgeschafft, gleichzeitig war sie aber auch nur eine Teilkaskoversicherung deren festgelegte Leistungen je nach Pflegestufe / Pflegegrad nur einen sehr begrenzten Anteil an den Heimkosten finanzierten. Damit wurden zwar die Ausgaben im SGB XI gedeckelt, aber diese Sparpolitik der öffentlichen Kassen hat zu dem heutigen Pflegenotstand geführt.  War es bis zum Pflegeversicherungsgesetz im Rahmen des Selbstkostendeckungsprinzips noch selbstverständlich, das die Mitarbeiter überwiegend als Vollzeitkräfte beschäftigt waren, haben die knappen Stellenschlüssel dazu geführt, dass die Einrichtungen zur Streckung des Pflegepersonals Tagesdienste teilten oder gleich vermehrt Teilzeitkräfte einstellten, um die Spitzenzeiten im Tagesablauf besser abzudecken und in den „ruhigeren“ Zeiten, wie z.B. in der Mittags- und Nachmittagszeit, Stellen einzusparen. Gab es also vorher jeweils 8 Stunden Früh-, Spät- und Nachtdienste, haben die Leitungen mit dieser Umschichtung begonnen die Spitzenzeiten der Pflege mit Teilzeitkräften für jeweils 3-4 Stunden „auszupolstern“. So waren in den Spitzenzeiten z.B. 4-5 Mitarbeiter bei 30 Bewohnern und in den „ruhigeren“ Zeiten oft nur zwei oder gar nur einer, damit war die Betreuungsarbeit massiv eingeschränkt, oder ganz unmöglich und man erlebte  immer unzufriedenere Mitarbeiter, die mit einer Pflege im Akkord belastet wurden. Die Ausweichreaktionen, wie Frau Heintze die Flucht in die Teilzeit nennt, waren also zugleich Ursache und Wirkung.

Insolvenz oder der Kampf um Qualität
Konnte man letztmalig 1994/95 noch zusätzliches Personal für die Betreuung dementer Bewohner verhandeln, war mit dem SGB XI und den sehr knappen Stellenschlüsseln jede Möglichkeit einer qualitativen Differenzierung in der Pflege fast unmöglich. Pflegesatzverhandlungen wurden ein Kampf um Cent und um die aufwendigen und zeitraubenden Verhandlungen zu umgehen, wurde vielfach nur die für alle Träger festgelegte pauschale Anhebung umgesetzt, womit die bereits entstandenen tatsächlichen Kostensteigerungen nicht abgedeckt werden konnten und die Schere zwischen Kosten und Erträgen immer größer wurde. Einrichtungen und ganze Träger führte das in den Ruin und die Betreiber verkauften ihre Unternehmen, nicht selten an Fondgesellschaften. Die Altenheime und Träger, die diese Entwicklung durchstanden, sind entweder ausgehöhlt und „verbrannt“ und machen ihre Arbeit mehr schlecht als recht, oder sie haben den Kampf mit den Pflegekassen und Sozialhilfeträgern aufgenommen und durch konsequente Verhandlungen bis hin zu juristischen Auseinandersetzungen, kostendeckende Pflegsätze durchgesetzt und mit einer engagierten Mitarbeiterschaft, trotz immer noch knapper Ressourcen, bis heute gute Qualität erbracht. An einem Pflegesatz Vergleich wird die Diskrepanz deutlich, bei der Gegenüberstellung der zwei Einrichtungen ist der Satz für den Pflegegrad 3 ausgewiesen und allein der Ertrag für die reine Pflege ist für einen Pflegebedürftigen im Monat um 1183 Euro höher, womit bei 30 Bewohnern zusätzlich 10 Mitarbeiter bezahlt werden können. (Die Beträge für die einzelnen Sachgruppen sind kalendertägliche Werte)

Pflegesatz  (Pflegepersonal)  85,06 €  47,52 €
Unterkunft (Reinigung, Wäsche, etc.)  16,13 €  12,10 €
Verpflegung (Essen+Zubereitung)  13,03 €  4,52 €
Invest. Kosten (Gebäudekosten)  15,80 €  4,00 €
Ausbildungsvergütung    0,00 €    3,04 €
monatl. (bei 30,42 Berechnungstagen)  3.775,73 €  2.165,30 €

Gerade aber diese Tatsache hat dazu geführt, dass viele Einrichtungen den Konkurrenzkampf über die Preise fürchteten und damit ihre Qualität immer schlechter wurde, die Mitarbeiter ausgelaugt sind und vielfach nicht mal mehr eine Pflege, die man als „satt und sauber“ bezeichnen kann, erbracht wird. Das Ergebnis ist bekannt, es ist der Pflegenotstand. Viele der Leitungen dieser Einrichtungen haben diese Entwicklung auch dadurch noch gefördert, indem sie den Druck ungebremst an die Mitarbeiter weitergegeben haben.

Meilensteine für eine positive Entwicklung
Deshalb sind 13000 zusätzliche Stellen ein Witz (pro Einrichtung eine), und Augenwischerei, denn die Altenpflege muss grundlegend reformiert werden und ein paar zusätzliche Stellen gehen meilenweit an der Realität vorbei. Der Anfang einer grundlegenden Reform muss neue, für alle verbindliche Stellenschlüssel festlegen, am besten ohne eine Differenzierung nach Pflegeraden. Der nächste Schritt ist ein einheitlicher, flächendeckender Tarifvertrag, der eine gleiche Bezahlung für alle Pflegekräfte garantiert und beide Maßnahmen müssen selbstverständlich über die Pflegesätze finanziert werden. Die Teilkaskoversicherung im SGB XI muss aufgehoben werden, denn die Kostensteigerungen darf man nicht auf die Bewohner bzw. ihre Angehörigen abwälzen. Als übergreifenden Qualitätsbaustein kann nur die Ergebnisqualität die Grundlage für zukünftige Prüfungen sein, sie ist ein wichtiger inhaltlicher Punkt, deren Einhaltung durch eine gut ausgestattete Heimaufsichten vor Ort zu begleiten und zu kontrollieren ist. Die MDK Prüfungen haben in den Jahren ihrer Existenz viele Kosten verursacht, die Mitarbeiter administrativ gebunden und nichts bewirkt, sie gehören abgeschafft.              Das sind die wichtigsten Meilensteine einer wirklichen Pflegereform, ergänzt um den Hinweis von Frau Heintze, dass es eine Frage sein wird, „ob die Regierung willens ist, dem Renditedenken in der Kranken- wie Altenpflege die Grundlage zu entziehen“. Die Fakten liegen alle auf dem Tisch und Herr Spahn betont immer wieder, dass er verstanden hat, jetzt müsste er einen Prozess einleiten, der diese Meilensteine umsetzt; es ist aber zu befürchten, dass das beschriebene Paket viel zu groß ist und die dafür benötigten Gelder in andere Bereiche fließen. Die Schwächsten in dieser Gesellschaft bleiben wieder auf der Strecke. „Sehr alt und pflegebedürftig zu werden, darf in Deutschland keine Horrorvorstellung werden“, sagt Diakonie Präsident Lilie, aber das wird unter diesen Umständen kaum zu verhindern sein.

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Best practice, mehr Geld, gute Gehälter, mehr Personal!

Pflegeheime haben eine gute Chance die Personalprobleme in der Altenpflege selber positiv zu beeinflussen, denn wenn sie darauf warten, dass Politik die Probleme des Pflegenotstands löst, werden Jahre vergehen. Also jetzt ran und Pflegesätze verhandeln, die die vorgegebenen Stellenschlüssel ausschöpfen und Tariflöhne refinanzieren. Wir alle kennen die Ursachen des Pflegenotstands, das sind vor allem überforderte, ausgebrannte und schlecht bezahlte Mitarbeiter. Die Umkehrung ist dem zufolge eigentlich logisch, die zur Verfügung stehenden Personalschlüssel müssen in der Pflege realisiert und die Mitarbeiter nach Tarif bezahlt werden. Ja, natürlich einfacher gesagt, als getan, aber wenn es einfach wäre, hätten es sicher viele Träger auch längst gemacht. Was ist zu tun? Die Pflegesätze quer durch die Bundesrepublik weisen sehr große Differenzen auf, die Träger mit niedrigen Pflegesätzen müssen also ihre Beträge an die höheren anpassen. Vergleichen wir die Sätze von zwei Einrichtungen für den Pflegegrad 3, mittlere Stufe, in der ein großer Teil der Pflegebedürftigen eingestuft ist, miteinander:

Einrichtung   A Einrichtung B Differenz  B zu A
Monatl. Entgelt über Alles

2165,13 €

3985,92 €

1820,64 €

Anteil Pflegeentgelt

1445,56 €

2301,58 €

856,02 €

Anteil Unterkunft u. Verpflegung

505,58 €

1151,70 €

646,12 €

Tägl. Satz für Verpflegung

4,52 €

16,47 €

Die Differenz zeigt sehr deutlich worum es geht. Einrichtung B kann mit ihren Erträgen aus dem Pflegeentgelt viel mehr Personal für die Pflege einstellen. Einrichtung A finanziert mit ihrem Betrag z.B. für eine Pflegegruppe mit 30 Bewohnern 10,7 Stellen, Einrichtung B kann bei gleicher Bezahlung hingegen aus ihrem Pflegeentgelt für eine gleich große Gruppe 19,8 Mitarbeiter beschäftigen. Das heißt B kann fast doppelt so viele Mitarbeiter finanzieren wie A. (Übrigens, bei Einrichtung A würde ich gerne mal schauen, was es für 4,52 Euro am Tag zu Essen gibt). Die Konsequenz kann also nur sein, die Pflegesätze neu zu verhandeln und bei diesen Verhandlungen auf den vorgegebenen Stellenschlüsseln und einer tariflichen Bezahlung zu bestehen. Die gesetzlichen Vorgaben dafür sind da und wenn alle es machen würden, entstände auch der notwendige Druck bei der Politik, für die Finanzierung zu sorgen.

Träger und Einrichtungen, die seit Jahren erfolgreich eine konsequente Pflegesatzpolitik betreiben, beweisen, dass hohe Pflegesätze und eine gute, qualitative Arbeit zusammen passen und sie beweisen, dass Mitarbeiter in ihren Häusern eine bessere Arbeitszufriedenheit haben, die Krankheitsquoten geringer sind und sie auch besser Personal finden. Dazu gehört allerdings außerdem eine positive Leitungsphilosophie, die auf Motivation und nicht auf Druck setzt. Packen sie es an, es lohnt sich für motivierte Mitarbeiter zu kämpfen, die mehr Zeit für ihre Bewohner haben.

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Offener Brief an Herrn Spahn

Sehr geehrter Herr Gesundheitsminister Spahn, ihre Ankündigungen hören sich gut an, ein einheitlicher Tarifvertrag für die Pflege und mehr Personal, das wäre toll, aber sie wissen doch, „an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (Matthäus 7,16) und dieser Satz steht auch noch unter der Überschrift „Warnung vor den falschen Propheten“. Worte sind also schnell gesprochen, Früchte müssen aber wachsen, sie brauchen einen guten Nährboden, Zeit, Geduld und eine gute Pflege. Um die Bildsprache noch ein wenig weiter zu strapazieren, das Kind Pflege, das gerade in den Brunnen fällt, muss im Fall aufgefangen werden und sie müssen mit ihm wieder an den Brunnenrand klettern, um ans Licht zu kommen. Also eine anstrengende Aufgabe, vor der sie da stehen und die Menschen haben es satt immer nur vertröstet und mit faulen Kompromissen hingehalten zu werden, denn das erleben sie in der Politik zur Genüge. Sie, als junge nachrückende Generation von politisch Verantwortlichen, haben es in der Hand, die Glaubwürdigkeit wieder herzustellen und Ankündigungen und Ergebnisse nachhaltig kongruent zu machen. Sie sind ehrgeizig und brauchen die große Bühne, dass ist o.k., aber wenn die Pflege 2030 besser dastehen soll als heute, müssen sie handeln und in ihrer jetzigen Verantwortung Bedingungen schaffen, auf die sich eine positive Entwicklung gründen kann. Die Stichworte sind neben dem Thema Tarifvertrag noch MDK Prüfungen, Heimaufsicht, Bürokratie, Stellenschlüssel, Ausbildung, Ausbildungsplätze und Ausbildungsfinanzierung, Pflegesätze, Kostensteigerungen für Selbstzahler, Pflegemarkt als Rendite, um nur die wichtigsten zu nennen.

Pflege braucht eine Komplet-Sanierung, ein paar neue Zündkerzen wäre wieder nur ein Feigenblatt. Frau Merkel hat in ihren Amtszeiten schon viel versprochen, machen sie es besser, glaubwürdige Politik trägt länger und besser als „falsche Propheten“. Die Menschen in der Pflege, Pflegebedürftige und Mitarbeiter, brauchen sie, brauchen dringend die Wende und dieser Staat gibt so viel Geld dafür aus, die Fehler der Spekulanten und Hassadeure zu korrigieren oder zu verdecken, dass es ein Armutszeugnis ist, dass 2,8 Millionen Pflegebedürftige nur von dem aufopfernden Engagement der angestellten Mitarbeiter und pflegenden Angehörigen leben.

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Den Pflegenotstand hält die aktuelle Politik nicht auf!

Ließt man nur seit Beginn dieses Jahres einige der Schlagzeilen in deutschen Pressemitteilungen, erkennt man schnell, wie es um die Alten-Pflege wirklich steht.
„Zu wenige Fachkräfte, zu große Mängel: Bei vier Pflege- und Altenheimen in Sachsen hat die Heimaufsicht jetzt die Notbremse gezogen“. MDR vom 18. Januar 2018
„In vielen Pflegeheimen in NRW droht ein Aufnahmestopp“, NRZ vom 02. April 2018
„Massive Beschwerden über Pflegeheim in Bedburg /Aufnahmestopp“, Rhein-Erft Rundschau 28. März 2018
„Altenhilfe-Träger verhängt Aufnahmestopp“, Die Pflegebibel vom 16. Januar 2018 „Der größte Altenhilfe-Träger im Kreis Göppingen, die diakonische Wilhelmshilfe, hat zum Jahreswechsel einen Aufnahmestopp stationär wie ambulant beschlossen, um die Überlastung ihrer rund 650 Pflegekräfte zu reduzieren und ein politisches Signal zu setzen, dass es so nicht mehr weitergehen könne“.
„Unterschleißheimer Pflegeheim in der Kritik“, Süddeutsche Zeitung vom 30. März 2018, Untertitel: „Die Geschäftsführung hat einen Aufnahmestopp verhängt“
„Wegen Mängeln: Aufnahmestopp für Bremer Pflegeheim“, buten un binnen 12. März 2018  Weiter schreibt buten un binnen am 04.04.2018
„Neue schwere Vorwürfe gegen Alloheim in Bremen“,
und am 05.04.2018 „Nach der wiederholten Berichterstattung von buten un binnen über Missstände im Pflegezentrum in der Marcusallee fordert der SPD-Abgeordnete Klaus Möhle die Schließung des Heims. Der private Betreiber Alloheim weist alle Vorwürfe zurück“.

Wie die Überschriften in der Presse deutlich machen, verschärft sich die Personalkriese in der Pflege tagtäglich und die Bemühungen der verantwortlichen Betreiber und Träger, für ihre Situation Lösungen zu finden, klaffen weit auseinander. Um seine Mitarbeiter vor den Überbelastungen zu schützen, ist ein gemeinnütziger Träger selber in die Offensive gegangen und hat sich einen Belegungsstopp auferlegt, weil er sieht, dass unter dem massiv zunehmenden Druck Mitarbeiter und Bewohner leiden. Ein anderer gemeinnütziger Träger wird durch Behörden und Kontrollen auf die Probleme in seinem Haus aufmerksam und stoppt jede weitere Belegung, um mit seinen Mitarbeitern das Problem zu bearbeiten. Ein dritter, privater Träger, wird nach den Kontrollen zur Nachbesserung aufgefordert, es ändert sich nichts, eine Tochter holt sogar die Mutter wegen schwerer Pflegemängel aus der Einrichtung und der Betreiber „weist alle Vorwürfe zurück“. Es ist zu vermuten, dass er die Probleme primär mit Hilfe seiner Anwälte „löst“.

Der Pflegealltag in deutschen Heimen ist am Limit und die Träger sind auf sich allein gestellt, wie sehen aber ihre Problemlösungsansätze aus? Der Geschäftsführer, der den Belegungsstopp für die Wilhelmshilfe entschieden hat sagt:  „Ziel sei es, ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben oder wieder zu werden. Mit Workshops, Schulungen, Qualifizierungen, Ethikberatung, Gesundheitsförderung und interner Konsolidierung wollen wir dafür arbeiten, „bis wir wieder auf Kurs sind“.                            Die richtigen Maßnahmen, um Mitarbeiter für die Aufgabe am Menschen wieder ernst zu nehmen, ihnen Raum für ein fachliches, ethisch verantwortbares Handeln zu geben. Die Bundesregierung sieht offenbar keine Priorität bei Gesundheit und Pflege, so muss man es aus den aktuellen „Angeboten“ des Gesundheitsministers ablesen, und die Realität überholt weiterhin alle Bemühungen verantwortungsbewusster Betreiber, aus der Kriese einen Weg zu finden; wie lange halten das solche Träger ohne eine kostendeckende Finanzierung und die konstruktive Unterstützung durch die Politik durch? Herr Spahn gibt sein Bestes, aber Demokratie braucht Zeit, für Verhandlungen und Kompromisse. Soll Pflege in Deutschland bald wieder so aussehen?

 

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Außer Spesen nichts gewesen.

Es ist immer einfach in einer Funktionärsposition, wenn das Kind in den Brunnen fällt, öffentlich kund zu tun, dass man schon lange davor gewarnt hat und weiß, was zu tun gewesen wäre. Alle Funktionäre von Fachverbänden, Landesverbänden, Bundesverbänden für Pflege und Pflegeberufe sitzen im gleichen Boot und haben die Entwicklung gesehen und immer nur gewarnt!

Worum geht es? Alle Gesetzesänderung der letzten 15 Jahre in der Pflege hatten immer das Ziel, dem Kind „Pflege“, das am Brunnenrand stand, z.B. eine Brille aufzusetzen, damit es sehen konnte, wie nah es schon am Brunnenrand stand (Pflege-Qualitätssicherungsgesetzt), ihm ein Butterbrot in die Hand zu geben (Pflege-Weiterentwicklungsgesetzt), ein Pflaster auf das Knie zu kleben (Pflege-Neuausrichtungsgesetz)  oder auf das Butterbrot noch eine dünne Scheibe Wurst zu legen und ihm damit den Mund zu stopfen (Pflegestärkungsgesetz), damit es vor lauter Kauen nicht sieht, wie der eine Fuß schon in die Tiefe des Brunnens zeigt. Viele haben gerufen: „Seht, das Kind fällt gleich in den Brunnen“, aber keiner hat es vom Rand weggeholt. Ist das unterlassene Hilfeleistung?

Heute beteuern alle „wir haben das doch schon immer gesagt“, aber gehandelt haben lediglich vorausschauende Praktiker in ihrer unmittelbaren Verantwortung, denn sie haben schon lange gesehen, wohin die Reise geht. Sie haben ausgebildet (im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben), die Schülerzahlen erhört (im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben), sich in Fachseminaren engagiert (im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben) und hätten gerne mehr gemacht. Das Ergebnis, viele der Schüler blieben nach der Ausbildung in den Einrichtungen, da die Pflegesätze aber nicht mehr kostendeckend waren, mussten Gehälter eingefroren oder gar gekürzt werden und das machen Fachkräfte verständlicherweise nur begrenzt mit. Die Fachkraftquote mit 50% konnte über viele Jahre hinweg gehalten werden, aber bei den knappen Stellenschlüsseln verringert sich die Einsatzbereitschaft, wenn z.B. in einer Pflegegruppe mit 30 Pflegebedürftigen und 4 Mitarbeitern nur eine Krankmeldung die Pflege-Zeit im Frühdienst um 25% reduziert. Die Belastungsspirale ist vor diesem Hintergrund in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und das kann man nur eine gewisse Zeit aushalten, dann steigt die Krankheitsquote weiter nach oben. Diesen Circulus virtuosus können selbst gut geführte Einrichtung und Träger mit den Mitteln, die ihnen offiziell zur Verfügung stehen, auf Dauer nicht durchhalten. Bei den fehlgeleiteten Häusern und Trägern haben noch zusätzliche Effekte eine negative Wirkung, dazu gehört der massive Druck, die unmenschliche Personalpolitik, eine unstrukturierte oder gar keine Kommunikation und eine sparsame, gewinnorientierte Wirtschaftsführung, die von den Konzernen vorgegeben wird.

Nach den berechtigten Protesten der Betroffenen, wissen jetzt alle, dass die Ausbildung sich verbessern muss, die Bezahlung gerecht und gleich sein sollte, die Pflegesätze entsprechend kostendeckende zu sein haben und die privatwirtschaftliche Pflege nicht mehr ihre Gewinne und Dividenden zu Lasten der Versichertenbeiträge und Steuergelder abschöpfen darf.

Wenn das alles konsequent umgesetzt würde, könnten Pflegekräfte sich wieder im Beruf akzeptiert fühlen und wären sicher bereit aktiv an einer positiven Entwicklung mitzuwirken. Leider ist die Zerrissenheit zwischen den diversen Verbänden sehr groß und solange jeder von ihnen auf Kongressen und Veranstaltungen große Reden hält und Spesengelder verbraucht, wird sich nichts ändern. Die div. Verbände und ihre Funktionäre stehen also vor der Herausforderung sich zusammen zu schließen und als geschlossene und starke Kraft aufzutreten, um bei der Politik den entsprechenden Druck aufzubauen, denn ohne diesen wird es nicht gehen, die Lobbyisten der Pharmaindustrie oder der Autokonzerne machen es ihnen täglich erfolgreich vor.

 

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Es kann doch nicht sein…

Es kann doch nicht sein…(eine beliebte Rhetorik vieler Politiker)…dass jahrelang in der Pflege gespart wurde und jetzt sind ein paar Euro im Topf und Herr Spahn möchte, ein bisschen Geld in die Pflege, ein bisschen Geld für die Beitragszahler, ein bisschen Geld  (ein Monatsbeitrag Rücklagen) für die Krankenkassen. Die Liberalen Politiker machen es aber auch nicht besser, sie schreien auf weil die Arbeitgeber mit einer gerechten Beitragsaufteilung in der Sozialversicherung belastet werden könnten. Es ist besser den Arbeitgebern etwas zu geben, als Garnichts zu tun, scheint eine Liberale Grundhaltung zu sein.

Als die Pflegeversicherung 1995 an den Start ging, wurde sehr schnell klar, dass die Krankenkassen von allen medizinischen Behandlungspflegerischen Leistungen entbunden waren, die im Heim erbracht werden mussten. In den Jahren danach wurde bei Pflegesatzverhandlungen immer wieder der Versuch unternommen die Kosten dafür mit in die Berechnungen einzubinden, es war erfolglos. Seit zwanzig Jahren nehmen diese Leistungen im Heim massiv zu, denn die Multimorbidität steigt und auch die Entscheidung in ein Heim zu gehen, wird erst getroffen, wenn die körperlichen und gesundheitlichen Einschränkungen sehr groß sind. Die verschiedensten medizinischen Behandlungen, die von sehr aufwendigen Wundversorgungen, über die Dekubitus Behandlung, bis zu einer zeitgenauen Medikamentenbehandlung reichen, sind immer umfangreicher geworden und die Krankenkassen konnten das Geld dafür sparen und in ihre Rücklagen stecken. Es ist schon eine stoische Ignoranz der Politik die Pflege über Jahre hinweg mit dem Problem alleine zu lassen. Was wäre das dann für eine tolle Schlagzeile, wenn morgen in der Presse stände: „Bundestag beschließt die Behandlungspflege im Heim durch die Krankenkassen zu bezahlen“. Die Mitarbeiter würden die Entlastung unmittelbar spüren wenn eine zusätzliche Fachkraft für die Wundversorgung und Behandlungspflege eingestellt werden könnte.  Ein jahrelang von der Politik ignoriertes Problemen wäre gelöst und ein erster Schritt zu einer ganzheitlichen Reform der Pflege gemacht. Einige Politiker sind aber wieder auf dem besten Weg den Pflegenotstand mit Trostpflastern beheben zu wollen. Es kann doch nicht sein, dass alle über den Pflegenotstand reden, aber Politik sich wieder nur hinter faule Kompromisse zurückzieht.  

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Offener Brief an Frau Merkel!

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, nun sind sie über 12 Jahre im Amt und die Pflege ist in ihrer stärksten Kriese seit dem Pflegeversicherungsgesetz 1995. Was ist der Hintergrund? Kurz nach ihrem Amtsantritt haben sie die Föderalismusreform im Jahr 2006 auf den Weg gebracht. Mit dieser Reform wurde die alleinige Zuständigkeit u.a. für das Heimrecht, das die Bedingungen für die Pflegebedürftigen bestimmt, vom Bund auf die Länder übertragen. Dadurch sind sechzehn sehr unterschiedliche Ländergesetzgebungen, mit sechzehn weit auseinanderklaffenden Stellenschlüsseln in der Pflege entstanden, die untereinander nicht kompatibel sind. Mit dem Pflegeweiterentwicklungsgesetz 2008 haben sie die MDK Prüfungen eingeführt, die weder Ergebnisqualität richtig prüfen, noch wirksam Pflegemängel feststellen können, aber einen riesigen bürokratischen Aufwand verursachten. Mit dem Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz 2009 wurde erreicht, dass sich der bürokratische Aufwand weiter erhöhte und sich viele Wohngemeinschaften für Demente gründeten, die Arbeit dort sich aber jeder Kontrolle entziehen konnte. Diese und noch andere Punkte haben dazu geführt, dass sich in der Pflege starke Unsicherheiten entwickelten, die durch die vielfältigen Gesetzesänderungen, zusätzlichen bürokratischen Aufwand, den verstärkt aufkommenden finanziellen Druck und einen konkurrierenden Pflegemarkt entstanden sind. Diese Entwicklung verfehlte ihre Wirkungen bei den Mitarbeitern nicht. Der Freude an der Arbeit, die ich selber noch erlebt habe, sind Überforderung, Müdigkeit, steigende Krankheitsquoten und viel Frustration gewichen.

Die problematischen Punkte in der Pflege, vor allem bezogen auf die Mitarbeiter, wurden bereits zu Beginn ihrer Amtszeit durch die Ergebnisse des Runden Tischs Pflege 2005 vorgelegt. Fünf Gesundheitsminister/Innen saßen und sitzen in ihrer Amtszeit am Kabinettstisch und da war es nicht möglich die Entwicklungen und Probleme richtig einzuschätzen und zu bewerten? Jetzt haben sie die Gelegenheit in die Offensive zu gehen und auf die akute Notlage in der Pflege zielstrebig zu reagieren, sorgen sie dafür, dass Herr Spahn eine erste angemessene Tranche Geld in die aktuelle Situation stecken kann, damit ein Kollaps verhindert wird, die Pflegekräfte, die pflegenden Angehörigen und damit die Pflegebedürftigen brauchen das. Bei den Bankenrettungen hat es doch auch geklappt. Darüber hinaus braucht ihr/unser Gesundheitsminister ihre ganze Unterstützung, dass Pflege und damit auch das ganze Gesundheitssystem eine umfassende Reform bekommt, denn mit kleinen Kompromissen werden die Probleme nur verschoben, aber das wissen sie ja.

 

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