Naiv oder nur gut gemeint?

Es ist doch Nachdenkens wert, wenn eine DBfK-Funktionärin feststellt, dass „langjährige Pflegekräfte gehegt und gepflegt werden“ müssten. Im Duden stehen für die Begriffe „hegen und pflegen“ die sinnverwandten Wörter, bemuttern, betüdeln, umsorgen, verwöhnen. Die Begriffe verfehlen allerdings ihr Ziel, und vereinfachen auf banale Weise das wirkliche Problem. Mitarbeiterzufriedenheit erwächst aus einer wichtigen Tatsache, nämlich, dass Anspruch und Wirklichkeit übereinstimmen, oder entsprechend bei Unzufriedenheit, dass sie eben nicht mehr übereinstimmen, so wie es sich jahrelang in der Pflege entwickelt hat. Mitarbeiter kommen mit einem Berufsanspruch in diese Arbeit und erleben einen Pflegealltag, der nichts oder nur noch sehr wenig mit ihrem Anspruch zu tun hat (SOLL / IST Vergleich). Alle kennen die Wirklichkeit, eine Pflege im Minutentakt, drei, vier Wochenenddienste hintereinander, Medikamente bei Weglaufgefährdung, etc., etc. Die Konsequenzen sind längst klar und der sich daraus ergebene Fachkräftemangel und der eklatante Pflegenotstand sind nicht neu und wurden nur jahrelang schön geredet. Wer glaubt, das könne man jetzt mit tröstenden Worten und etwas mehr Gehalt lösen, liegt falsch. Natürlich muss der Staat richtig Geld in die Pflege stecken, damit Anspruch und Wirklichkeit wieder überein stimmen, er wird es aber vermutlich in dem Umfang, wie es nötig ist, nicht machen.

Was jetzt den Mitarbeitern gut tun würde und schon immer gut getan hätte, wäre vor allem mehr Professionalität in den Führungsetagen, bei Einrichtungsleitungen und Pflegedienstleitungen. Eine professionelle Führung beginnt mit der aufrichtigen Wertschätzung der Mitarbeiter, dazu gehört eine offene und verbindliche Kommunikation; klar definierte und nachvollziehbare Strukturen verbessern die Orientierung für die Mitarbeiter und ihre Einbindung in notwendige Entwicklungen nimmt sie Ernst; wenn dann noch eine positive, anerkennende Sprache im Alltag gelebt wird, ist das ein Grundstein für eine konstruktive Mitarbeiterpflege. Wenn Führungskräfte das lesen, werden sie sagen, „aber das machen wir doch alles“, wirklich? Wie schnell übertragen Leitungen ihren eigenen Druck und Frust auf die Mitarbeiter und leben ihn dort aus, indem sie z.B. zu Untergebenen gehen und sie über andere Mitarbeiter aushorchen, wie selbstverständlich Strukturen aushebeln und damit Unsicherheiten schüren, wie viel wird hinterm Rücken getratscht und nicht offen kommuniziert und wie oft äußert sich ein Vorgesetzter in Anwesenheit von Mitarbeitern abfällig über Kollegen, um nur einiges zu nennen.

Illustration Jürgen Pankarz

„Hegen und zu pflegen“, ist vielleicht gut gemeint, aber gut gemeint ist nicht gut gemacht. Mitarbeiter haben genug Druck durch ihre Arbeit, sie brauchen nicht noch mehr von Oben, positive Vorbilder sind das Stichwort. Wir brauchen eine offene, respektvolle, klare und anerkennende Führungskultur, da arbeiten Mitarbeiter gerne und fühlen sich auch wohl.

 

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Ein Gedanke zu „Naiv oder nur gut gemeint?“

  1. Danke für die guten Informationen zum Pflegedienst. Eine Bekannte könnte ohne diesen Dienst gar nicht mehr arbeiten. Sie müssen fast alle Zeit für ihre Mutter selbst aufbringen.

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