Altenpflege braucht unbedingt mehr medizinische Kompetenz

Ambulant vor Stationär, Angst vorm Heim, verschiedene Aspekte haben in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass die Stationäre Altenhilfe überwiegend Pflegebedürftige versorgt, die unter einer hochgradigen Multimorbidität leiden und vielfach im Endstadium ihres Leidenswegs angekommen sind. Das Politik dieser Tatsache nie durch die entsprechenden Gesetze, Personalschlüssel und Finanzen Rechnung getragen hat, ist eine hochgradige Dramatik und Ursache des Pflegenotstands, aber konnten die Träger sich auch mit der fachlichen Kompetenz ihrer Mitarbeiter darauf einstellen?

Um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, versucht man wieder verstärkt Mitarbeiter aus anderen Ländern zu integrieren. Vor diesem Hintergrund arbeiten verschiedene Träger mit der Fachhochschule Fulda zusammen, um neue Wege zur Integration dieser neuen Fachkräfte zu finden. Dazu weist die Fachhochschule in einem Artikel u.a. auch auf die Problematik der unterschiedlichen Qualifizierungen hin, die bei den Integrationsbemühungen überwunden werden müssen und schreibt dazu: „Ein Beispiel macht die schwierige Aufgabe anhand der Pflegeorganisation und des Pflegeverständnisses deutlich: Internationale Pflegefachkräfte sind in der Regel in der Krankenpflege qualifiziert. In den meisten Staaten der Europäischen Union und in sogenannten Drittstaaten gibt es keine der deutschen Altenpflegeausbildung vergleichbare fachliche Bildung, da üblicherweise die Ausbildung akademisches Niveau besitzt. In vielen Staaten existieren zudem Besonderheiten in der Pflege, die in Deutschland unbekannt sind, etwa die Versorgung von Patientinnen und Patienten durch Angehörige. Über das, was Pflegetätigkeit ausmacht, bestehen folglich ganz unterschiedliche Vorstellungen. Zu spüren bekommt das vor allem die Altenpflege. Nicht selten fühlen sich die internationalen Kräfte hier nicht entsprechend sachverständig und wechseln lieber in die Krankenpflege“. Daraus wird die berechtigte Sorge deutlich, dass zu qualifiziertes Personal schwieriger zu integrieren ist.

Im Jahr 1994 wurde von mir in einer neu gebauten Altenpflegeinrichtung eine Krankenschwester mit mehreren Jahren Berufserfahrung als Leitung einer Wohngruppe mit 40 Bewohnern eingestellt. Die Dame hatte ein sehr gutes Organisationstalent und war fachlich versiert. Ihr Anspruch an eine individuelle Pflege kam bei den Bewohnern sehr gut an, die Krankenhauseinweisungen gingen auf ein Minimum zurück, die behandelnden Ärzte waren sehr froh, das sie eine Ansprechpartnerin auf Augenhöhe hatten, sodass die Leistungen in der Behandlungspflege gut durchgeführt wurden und die Krankenschwester sogar einigen Altenpflegerinnen noch das eine oder andere Medizinische Thema vermitteln konnte. Nach 15 Monaten kam sie zu mir und legte ihre Kündigung auf den Tisch. Ihre Begründung war der gestiegene unterschwellige Widerstand der Altenpfleger/innen gegen ihre Medizinischen Kompetenzen. Ich sprach mit den Mitarbeitern und erhielt als Antwort, dass sie sich nicht mehr als Fachkräfte fühlten, weil die Kollegin doch „alles Besser wüste“. Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, dass eine gute medizinische Versorgung auf der Grundlage der entsprechenden Kompetenzen im Zusammenwirken mit einer guten Pflege, unerläßlich sind. Keine Statistik und keine Untersuchung zeigt wirklich deutlich, wie unterversorgt zu Pflegende diesbezüglich oft sind, massiv leiden müssen und sterben. Diverse Untersuchungen der Krankenkassen beweisen das und die „Welt“ titulierte im Sommer 2016 „Viele Fehler aus dem Pflegealltag bleiben im Dunklen“.

Altenpflege braucht medizinische Kompetenz, die weiter zunehmenden massiven körperlichen Beeinträchtigungen der Bewohner lassen keinen anderen Schluss zu. Das neue Pflegeberufegesetz hat den richtigen Ansatz, leider ist die Differenzierung im 3. Jahr zur Altenpflege zu anspruchslos ausgefallen und vor diesem Hintergrund werden sich die engagierten Auszubildenden eher für die Krankenpflege als für die Altenpflege entscheiden. Daraus gibt es nur die Schlussfolgerungen: Das Gefälle zwischen Alten- und Krankenpflege muss überwunden werden, Altenpflege und Krankenpflege muss zusammen wirken, in der Altenpflege müssen selbstverständlich die gleichen Gehälter wie in der Krankenpflege bezahlt werden, die Pflegekräfte müssen unbedingt aus allen peripheren Tätigkeiten, wie Küche, Wäsche, Reinigung, etc. heraus gehalten werden, die Wertschätzung der Altenpflege findet auf dem gleiche Niveau wie die Krankenpflege statt und an die Fachkräfte gerichtet: ein/e Kollege/in, der/die mehr weiß, ist eine Bereicherung und keine Konkurrenz.

 

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Herr Spahn, wollen oder dürfen sie es nicht sehen

In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung ist folgende Aussage von Gesundheitsminister Spahn zu lesen: „Spahn sagte, von der Verstaatlichung der Pflegeeinrichtungen halte er „wenig“. Er wies den Verdacht zurück, dass private Investoren in der Pflege vor allem große Gewinne anstrebten, nicht aber eine menschenwürdige Pflege. Wichtig sei, dass die Träger investierten und dass die Arbeitsbedingungen stimmten, sagte er. Dazu zählten die tarifgebundene Bezahlung sowie auskömmliche Personalschlüssel.“

In einem Beitrag von rbb24 ist unter der Überschrift „Beschwerden über Personalnot Heimbewohner verzichten auf Hilfen, um Pfleger zu schonen“, folgende Aussage einer Bewohnerin, Frau Büchner (Pflegegrad 3, „schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten“) zu lesen: „Wenn 20 Personen von zwei Leuten betreut werden sollen, und dann auch noch die Mahlzeiten zubereitet werden müssen – da haben Sie nicht den Mut, diese Personen dann noch um Hilfe zu bitten.“ Frau Büchner lebt in einem Heim der Vitanas Holding Berlin. Vitanas schreibt auf seiner Internetseite: „Was Albertz wichtig war, das Leben und die Würde des Einzelnen, zieht sich wie ein roter Faden durch das Leitbild der Vitanas Gruppe, …“. Wikipedia schreibt zur Geschichte von Vitanas: „Das Unternehmen wurde 1969 auf Anregung des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Pfarrer Heinrich Albertz, gegründet. Im September 2006 wurde Vitanas von der Zehnacker-Gruppe übernommen. Im Januar 2007 erfolgte die Übernahme einer 50-%-Beteiligung an den zwölf städtischen Pflegeheimen Hamburgs (Pflegen und Wohnen Hamburg GmbH) in einem Joint Venture. Im Rahmen des Verkaufs von Zehnacker an den französischen Sodexo-Konzern wurde Vitanas im Dezember 2008 aus dem Zehnacker-Konzern herausgelöst und von dessen damaligen Hauptgesellschaftern, der Familie Burkart, erworben. Am 14. August 2017 gab der bisherige Geschäftsführer Nikolai P. Burkart den Verkauf der Vitanas Holding als auch der Pflege und Wohnen Hamburg GmbH an Oaktree Capital bekannt“. Verkaufspreis, nach Insider Informationen, 500 Mill. Euro. Die Bilanzen (elektronischer Bundesnazeiger) der Vitanas Holding weisen für das Jahr 2015 einen Umsatz von 185,71 Millionen Euro aus, mit einem Personalkosten Anteil von 113,32 Millionen Euro (61,02%) und einem Gewinn von 16 tausend Euro (0,009%), im Jahr 2016 steigt der Umsatz auf 199,72 Millionen Euro, mit einem Personalkosten Anteil von 102,72 Millionen Euro (51,43%) und einem Gewinn von 10,35 Millionen Euro (5,18%).

Auf Grund der oben geschilderten Aussagen von Frau Büchner, bittet rbb24 Vitanas um eine Stellungnahme, die Antwort, Zitat: „Die Geschäftsführerin der Vitanas-Gruppe, Silke Erdle, gibt dem rbb gegenüber schriftlich an, die Dienstpläne gemäß der gültigen Personalschlüssel zu besetzen. „In Zusammenarbeit mit dem Qualitätsmanagement überprüfen wir konstant die Abläufe in der Pflege sowie die Personaleinteilung und passen diese je nach Belegung und Pflegegradmix entsprechend an“, schreibt sie. „Damit reduzieren wir das Überlastungsgefühl der Mitarbeiter. Selbstverständlich reagieren wir über unsere laufenden Prozesse hinaus auf Beschwerden der Bewohner und Mitarbeiter und setzen uns intensiv damit auseinander.“ Schöne Worte, aber wie sieht die Wirklichkeit aus?

Die erheblichen Personalkosteneinsparungen (von 61,02% auf 51,43%) bei steigenden Umsätzen, sind die einzige logische Erklärung für über 10 Millionen Euro Gewinn und die Grundlage dafür, einen solchen Pflegebetreiber, am Rendite orientierten Markt gut zu verkaufen. Oaktree Capital ist eine international tätige Investmentgesellschaft, die für ihre Kunden über 100 Milliarden Dollar Kapital verwaltet. Es ist kein Verdacht, Herr Spahn, dass diese Investoren vor allem erst einmal große Gewinne anstreben und auch umsetzen, sonst würden ihre Kunden nicht ihr Geld dort anlegen, das ist Realität.

Illustration: Jürgen Pankarz

Es ist geradezu naiv zu glauben, dass bei Investment Firmen nicht die gesamte Strategie, bei allen in ihrem Besitz befindlichen Unternehmen, darauf ausgerichtet ist, in kurzer Zeit hohe Renditen zu erwirtschaften, bei bester Imagepflege nach Außen. Diesem Ziel wird alles andere untergeordnet und da sind die Personalkosten immer noch die erfolgreichste Stellschraube, wer etwas anderes sagt, ist entweder blind oder grenzenlos ignorant.

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Gute Pflege kostet Geld, dafür muss man kämpfen

Bei der aktuellen Diskussion zum Pflegenotstand, gibt es viele Experten, die wissen was zu tun ist, aber wenig hilfreiche Expertisen, die wirkliche Lösungen anzubieten haben. Mehr Stellen, bessere Bezahlung, Ausbildungsförderung, alles gut, aber es bleibt immer die Frage nach den Kosten und wenn man genau hinschaut, machen alle Politiker einen großen Bogen um das Thema, denn keiner von ihnen will die Pflegeversicherungsbeiträge zu sehr strapazieren und aus dem Topf der Steuergelder sind die notwendigen Milliarden auch nicht zu erwarten. Da hilft nur der Druck der Betroffenen.

Vor zwei Jahren schrieb Daniel Drepper in einem Beitrag mit dem Titel „Wer gut pflegt, zahlt drauf“ „Ein schlecht bewertetes Hotel bucht kaum jemand. Warum funktioniert das nicht für Pflegeheime? Drei Probleme müsste man lösen, damit Qualität sich durchsetzt“.       Seine Begründungen:

  1. „Pflegeheime lassen sich nicht vergleichen
    In allen Branchen gibt es diesen Preisdruck. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied. Ein billiges Auto, das Mängel hat, erhält schlechte Kritiken – und verkauft sich nicht. Ein günstiges Hotel, dessen Personal unfreundlich ist, wird schlecht bewertet – und kann am Markt nicht bestehen. Es gibt Produkttests und Bewertungsportale. All das gibt es für Pflegeheime nicht.
    Weshalb zu niedrige Pflegesätze meist durchgehen
  2. Zu viele Menschen reden bei der Finanzierung mit
    In jedem einzelnen deutschen Bundesland werden Rahmenverträge ausgehandelt, von drei Parteien: den Pflegekassen, den Sozialämtern, den Heimbetreibern. Dabei müssen sich stets alle Beteiligten einig sein. Auf Bundesebene reden bei den Verhandlungen allein 14 Verbände mit, die Pflegeeinrichtungen betreiben.
  3. Sozialämter fördern Billig-Pflege
    Warum? Die Preise in der Pflege steigen, aber die Pflegekassen zahlen weiterhin genauso viel wie zuvor. Das führt dazu, dass der Eigenanteil für die Bewohner und ihre Angehörigen seit Jahren steigt. Das gleiche Problem gilt in besonderem Maße für all jene, die sich diesen Eigenanteil nicht leisten können. Diese Gruppe beantragt Hilfe vom Staat. Darum sitzen auch die Sozialämter der Städte und Gemeinden mit am Verhandlungstisch, wenn die Pflegesätze ausgehandelt werden. Die meisten deutschen Städte sind pleite. Was dazu führt, dass die Sozialämter die Kosten noch härter drücken als die Pflegekassen.“

An diesen Bedingungen hat sich bis heute nichts geändert. Der einrichtungseinheitliche Eigenanteil, der seit 1.1.2017 mit dem Pflegestärkungsgesetze II eingeführt wurde, ist jetzt für alle Pfleggrade gleich groß, damit hält der Gesetzgeber im Bereich der Pflegeversicherungen seine Kosten stabil, wälzt aber alle Kostensteigerungen in den Einrichtungen auf die Bewohner und die kommunalen Sozialhilfeträger ab, außerdem ist die Durchsetzung höherer Pflegesätze für die Träger nach wie vor schwierig, zeitaufwendig und kostenintensiv, denn sie müssen immer in Vorlage treten und unter Umständen auch den Rechtsweg beschreiten. Dieser Teufelskreis kann nur durchbrochen werden, indem die Träger für kostendeckende Beträge kämpfen.

Ja, das ist leichter gesagt als getan, aber es ist die einzige Möglichkeit. Der Staat mit seinen Gesetzen, die Pflegekassen und die Sozialämter drücken mit den oben beschriebenen Voraussetzungen seit Jahren auf die Preise, dass zwingt Träger und Anbieter sich aus Tarifvereinbarungen zu verabschieden und die Kosten zu reduzieren, um nicht in die Insolvenz abzustürzen. Die Lösung heißt also, Tarif bezahlen, das in einer gut nachvollziehbaren Buchhaltung abbilden und mit den realistischen Zahlen neue Pflegesätze verhandeln, dabei muss man die Sorge überwinden, dass die dann verhandelten höheren Beträge von den Bewohnern mit finanziert werden müssen, denn die Politik hat das so gewollt. Der Druck, der dann bei den Betroffenen entsteht, muss auch mit aller Konsequenz an die Politik übergehen. 
Brauchen sie Unterstützung bei solchen Verhandlungen, ich habe viel Erfahrung damit, melden sie sich, ich helfe ihnen gerne. www.schrey.net

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„Ja, wir haben verstanden“ und keiner versteht!

Beim Mittagessen in einem Selbstbedienungsrestaurant sitzt neben mir am Tisch eine Mutter und ihr 11 Monate altes Baby. Als ich mein Essen hinstelle, steht die Mutter gerade auf und sagt zu dem Kind: „ Du machst das schon“ und geht zu dem Bäcker nebenan, um sich noch etwas zu holen. Ich schaue zu dem Baby hin und lächle es an, wir haben schnell Blickkontakt und ihr Gesicht entspannt sich, ich reagiere auf ihre Mimik und Gestik, wir lächeln, zwinkern, bewegen den Kopf hin und her, der kleine Spatz agiert und reagiert fröhlich mit unterschiedlichen Lauten und Geräuschen und so kommunizieren wir eine Weile, bis die Mutter wiederkommt.

Das 3. Axiom von Watzlawick heißt „Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung“ oder man kann auch sagen „so wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“. Übertragen wir das auf die aktuelle Pflegesituation, stellen wir schnell fest, die in der Pflege Aktiven rufen, „Hilfe, wir können nicht mehr“ und die auf der anderen Seite des Kommunikationskreises sagen: „Ja, wir verstehen euch“, sie antworten aber mit Beruhigungen, Versprechungen, Ausflüchten. Die Rufer erwarten aber Antworten, Antworten die ihnen helfen, Entspannung und Erleichterung in ihre Arbeit bringen. Was machen Menschen, wenn ihre Hilferufe nicht verstanden, nicht ernst genommen werden? Kommunikation ist ein Kreislauf, Reiz- Reaktion. Einige reagieren mit Rückzug, andere werden aggressiv und wütend. Hätte ich auf das Baby nicht reagiert, es nicht beachtet und weggeschaut, die Gesichtszüge veränderten sich schon, als die Mutter wegging, was wäre passiert, womöglich hätte es schnell angefangen zu weinen oder gleich zu schreien. So ist es auch beim Thema Pflegenotstand, endlich äußern sich Pflegekräfte und sagen: „Wir brauchen mehr Zeit für die Menschen, unsere Fachlichkeit ist in Frage gestellt und die Werte wie Respekt und Würde vor dem Leben, gehen den Bach runter“ und Politik antwortet: „ Ja, ja , wir müssen auf unsere Gesetze und Finanzen achten.

Es scheint ein Phänomen der politischen Entwicklung zu sein, der Bürger hat nicht mehr die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Politiker, sie hören nicht zu und so entwickelt sich eine Verhaltenskette, die an vielen Stellen unterbrochen ist, das nennt man Kommunikationsstörungen. Die Folgen sind absehbar, die Menschen ziehen sich zurück, machen ihr „eigenes Ding“, d.h. in der Pflege, Rückzug in Krankheiten oder Ausstieg aus dem Beruf, ein Teil wird die „Kommunikation“ mit kämpferischen Mitteln, wie Demonstrationen, Briefen oder „Hilferufe“ in den Sozialen Medien fortsetzen, aber das bleibt eine einseitige Reaktion ´auf das nicht gehört werden` und die Gefahr steigt immer weiter, dass die Pflegesysteme nach den aktuellen ersten Implosionen dann auch explodieren.

Illustration Jürgen Pankarz

Die Kommunikationskette zwischen Politik und Bürgern ist zerrissen, die Meinungen der Bürger lassen Politiker sich von Wissenschaftlern gefiltert in sogenannten wissenschaftlichen Expertisen übermitteln und haben dabei das Gefühl, fundierte Aussagen zu bekommen, weil es doch wissenschaftlich begründet ist. Gesetze und Projekte werden dann durch Lobbyisten und Fach-Experten begleitet und gesteuert, und die Stimme des Volkes ist längst im Hintergrund verhallt, so wie es die Pflege z.Z.t erlebt. Ich wünsche mir, dass Politiker wieder zuhören, und spüren was die Menschen ihnen zu sagen haben. Wenn sie dann antworten, dann bitte so, dass der Gesprächskreislauf nicht durch ihren eigenen Rückzug aus Angst vor der Realität unterbrochen wird und zu noch mehr Frustration und Lähmung führt, sondern eine Kette von positiven Impulsen und wirklichen Lösungen initiiert. Antworten der Politik könnten z.B. für die Pflege lauten: „ Ja wie haben verstanden, bis zum Jahresende bringen wir ein Gesetzt für einen einheitlichen Tarifvertrag für Pflege auf die Beine, der Eigenanteil der Betroffenen wird auf eine Summe von 1000 Euro pro Monat festgeschrieben und es gibt ein Gesetz, dass mit Pflege keine Gewinne mehr gemacht werden dürfen. Das alles kostet sehr viel Geld, aber wir haben über Jahre hinweg die Pflege in die falsche Richtung gelenkt und müssen jetzt umsteuern, das ist unsere Verantwortung für die pflegebedürftigen Menschen“. Stellen wir uns vor, so würden verantwortungsvolle Politiker reagieren, dann wäre Ursache und Wirkung im Kommunikationskreislauf zwischen Bürgern und Politikern wieder im Einklang.

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Es wird Zeit dem Pflegenotstand den Boden zu entziehen

Jetzt hat es doch sicher jeder verstanden, die Pflege wird in kleinen Bausteinen, wenn überhaupt, Schritt für Schritt, mit begrenzen Geldmitteln, in den nächsten Jahren, aber frühestens ab 2020 umgelenkt. Herr Spahn sagt: „wir steuern um“ und verbreitet jeden Tag einen neuen Vorschlag, mit wenig Realisierungschancen, über die Medien. Auch als Optimist versteht man, dass es den großen Wurf nicht geben kann. Politische Entscheidungen brauchen Zeit und der Druck ist vermutlich noch nicht groß genug für eine erfolgreiche „Notoperation“. Bleibt also nur der Weg, die Dinge selber in die Hand zu nehmen. Jetzt ist die Zeit, sich der Gründer der Sozialen Arbeit zu besinnen, es waren christlich motivierte und ethisch verantwortungsvolle Menschen, die in allen Jahrhunderten die Not sahen und engagiert dagegen angegangen sind. Leprosenheime, div. Stiftungen, Armenhäuser, etc., all das waren wertvolle Reaktionen auf die Probleme der jeweiligen Zeit und Ausdruck der Solidarität mit den Armen, Kranken und Hilflosen. Mit der Aushöhlung des Subsidiaritätsprinzips und der Vermarktung des Gesundheitswesens, hat der Staat endgültig bewiesen, dass seine Spar- und Kontrollpolitik versagt hat, also muss es eigene Antworten auf die Nöte der Zeit geben.

Einmal geht es um Geld und dann geht es um zivilen Ungehorsam. Beides sind Wege die nach Vorne führen. Hilflose, pflegebedürftige Menschen brauchen schöne Lebensräume, aber sie brauchen auch Menschen, die Zeit für sie haben, und die nicht zu einem großen Teil für einen überbordenden, administrativen Aufwand verloren geht. Die Solidarität aller Sozial Verantwortlichen ist gefragt: warum schließen christlich und humanistisch engagierte Träger sich nicht zusammen und legen selber Fonds auf, mit denen sie neue Gebäude und Einrichtungen finanzieren. Mit Baudarlehn von 3 bis 4% Zinsen, ist die Finanzierung neuer Pflegeeinrichtungen günstiger als Renditen zwischen 8 und 12%, zumal die Gebäude mit den Tilgungen dann das Anlagevermögen erhöhen. Ein gemeinsamer Tarifvertrag, der die Mitarbeiter aller Beteiligten gleich  und besser bezahlt , stärkt die Solidarität der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitgeber. Ein weiterer wichtiger Schritt wäre der organisierte, massive Widerstand gegen den übermäßigen Bürokratieaufwand. Die MDK Noten sind unwirksam, schlechte Einrichtungen wurden durch diese Prüfungen nicht besser und gute verschenken mit der unnötigen Dokumentation sinnlos Zeit. Den abhängigen, hilflosen Menschen also wieder in den Mittelpunkt zu stellen, Bürokratie auf das Maß zurückzuschrauben, das ausreichende Information über wichtige Daten und Handlungsschritten vermittelt, das wäre ziviler Ungehorsam. Dabei kann übrigens eine gute IT Struktur sehr hilfreich sein.

Das willfährige Hinterherlaufen hinter staatlichen Versprechungen, führt nicht weiter. Geben wir der Altenpflege einen neuen Schub, warten wir nicht darauf, dass Politik „Schritt für Schritt“ versucht umzusteuern, zeigen wir, dass auch in unserer Zeit heute der Geist der Sozialen Verantwortung lebt und dieser Aufgabe ein Profil gibt, dass alle Private Equity Fonds asozial aussehen lässt und ideenreich Lösungen für die Probleme unserer Zeit entwickelt, die dann dem Pflegenotstand den Boden entziehen.

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Eine Talkshow ist eine ..lkshow, ist eine ….show.

Das Thema Pflege ist in der Öffentlichkeit angekommen und wird z.Zt. durch jede Talkshow gereicht. Politiker, Pflegewissenschaftler, pflegende Angehörige, Pflegerinnen und Pfleger und andere sogenannte Experten kommen zu Wort und sollen Antworten geben auf Fragestellungen wie: „Hilflose Patienten, überfordertes Personal – Ist die Pflege noch zu retten?“ WDR, oder „Alptraum Pflegeheim – wo bleibt die Würde? SWR, oder Pflegenotstand 2018 „Ist die Pflege noch zu retten“ ZDF, oder „Notstand bei der Pflege- Was ist jetzt zu tun?“ ARD. Es ist sicher wichtig, wenn pflegende Angehörige von ihrer Not berichten, Pflegekräfte sich zu den massiven Überforderungen äußern, die verschiedensten Experten ihre neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Pflegenotstand vortragen, oder Politiker das Erreichte in der Pflegeversicherung preisen und mehr Geld versprechen, aber valide Antworten gibt es nicht. Um nicht missverstanden zu werden, Talkshows ja, aber bitte mit mehr Inhalt und weniger Show.

Die Situation in der Pflege bleibt wie gehabt, hunderttausende von Pflegebedürftigen warten weiter darauf, dass jemand Zeit für sie hat:
– ihr Inkontinenzmaterial wechselt, in dem sie schon seit Stunden liegen,
– den Kathederbeutel leert, der fast überläuft,
– ihnen das volle Essenstablett wegräumt, obwohl sie alleine nicht essen konnten,
– vielleicht mal ein paar Minuten bei ihnen bleibt, damit sie einmal über ihre Nöte und Ängste sprechen können, und, und, und.
Halten wir einen Augenblick inne und vergewissern uns, was Pflegenotstand wirklich heißt: ja klar, es gibt viel zu wenig Pflegepersonal, aber es heißt vor allem, mehrere hunderttausend abhängige, hilflose, in ihrer Person „gefesselte“, oftmals sprachlose pflegebedürftige Frauen und Männer sind der Willkür des Systems und deren Akteuren ausgeliefert in dem sie sich aktuell befinden. Sie sind physisch und psychisch nicht nur unterversorgt, sondern vielfach sogar einer lebensbedrohlichen Situation ausgeliefert, verkümmern sozial, weil sie in ihrem Bett nur für Minuten am Tag jemanden sehen, sind schon seit Monaten sediert, damit die Mitarbeiter nicht durch sie belastet werden, oder sterben einsam und allein in ihrem Zimmer, ohne Ansprache und Begleitung.

Verschließen wir nicht die Augen vor der Wirklichkeit. Dass in ein paar Talkshows versucht wird, sachlich, aber vor allem emotional über die Situation der Pflege zu sprechen, berührt die Zuschauer und gibt den Talkmastern*innen das Gefühl, sie hätten sich für eine oder eineinhalb Stunden als Lobbyisten engagiert, ändert aber nichts. The Show must go on. Die Talkshow Redaktionen bereiten schon die nächste Show vor, die öffentliche Seele regt sich noch eine Weile in den Sozialen Medien auf, Politik wird weiterhin wortgewaltig Großes ankündigen aber nur Trostpflästerchen verteilen und die hilflosen, abhängigen Menschen liegen weiter in ihren Exkrementen.

Diese Gesellschaft und ihre Politiker versündigen sich, weil sie nicht begreifen, dass dieser Notstand eklatant die Würde des Menschen verletzt und der Artikel 1 des GG damit zu einer Farce wird: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“. Das aber scheint die verantwortlich Handelnden nicht zu interessieren. Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer wehren sich gemeinsam gegen höhere Sozialabgaben, die Politik argumentiert mit der SCHWARZEN NULL, und die kommunalen Kassen sind schon seit langem leer. Bleibt die Frage: Wie viel ist uns der Schutz der Würde wert?

 

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Meilenweit entfernt von einer Pflegereform

„Die Selbstverwaltung hat versagt“, schreibt Frau Heintze in ihrem Artikel „Meilenweit entfernt von dänischen Verhältnissen“ am 28.5. in der ZEIT. Es ist der Versuch, den Ursachen des Pflegenotstands auf den Grund zu gehen und die deutsche Situation mit guten Alternativen in anderen Ländern zu vergleichen. Warum steht die Pflege heute da wo sie ist? Ist es die Selbstverwaltung der Pflegebetreiber, die eine positive Entwicklung verhinderte, hat man den Bock zum Gärtner gemacht, können andere Länder es besser, vergleicht man vielleicht  Äpfel mit Birnen? Die Entwicklung der Pflege hat sehr viele Aspekte und der reine Zahlenvergleich kann zwar das Verhältnis von Betten zu Pflegekräften in den Krankenhäusern in Relation setzen, beschreibt die Ursachen des Pflegenotstands in der Altenhilfe aber nur zum Teil, denn bis auf die Vermarktung des Gesundheitswesens durch die Politik, hat die Altenhilfe eine andere Entwicklung genommen als der Krankenhausbereich.

Teildienste, Ursache und Wirkung
Mit dem Pflegeversicherungsgesetzt 1995 (SGB XI) und der Föderalismusreform 2006 hat die Politik Weichen gestellt, die die Altenhilfe schrittweise wirtschaftlich ausgehöhlt und so in eine Situation geführt hat, in der der zunehmende Druck auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen wird. Vor diesem Hintergrund müssen auch die Lösungsansätze unterschiedlich sein, denn eine bessere Bezahlung und mehr Fachkräfte sind nur ein Teil des richtigen Weges.  Mit der Pflegeversicherung wurde das Selbstkostendeckungsprinzip für die Altenpflege abgeschafft, gleichzeitig war sie aber auch nur eine Teilkaskoversicherung deren festgelegte Leistungen je nach Pflegestufe / Pflegegrad nur einen sehr begrenzten Anteil an den Heimkosten finanzierten. Damit wurden zwar die Ausgaben im SGB XI gedeckelt, aber diese Sparpolitik der öffentlichen Kassen hat zu dem heutigen Pflegenotstand geführt.  War es bis zum Pflegeversicherungsgesetz im Rahmen des Selbstkostendeckungsprinzips noch selbstverständlich, das die Mitarbeiter überwiegend als Vollzeitkräfte beschäftigt waren, haben die knappen Stellenschlüssel dazu geführt, dass die Einrichtungen zur Streckung des Pflegepersonals Tagesdienste teilten oder gleich vermehrt Teilzeitkräfte einstellten, um die Spitzenzeiten im Tagesablauf besser abzudecken und in den „ruhigeren“ Zeiten, wie z.B. in der Mittags- und Nachmittagszeit, Stellen einzusparen. Gab es also vorher jeweils 8 Stunden Früh-, Spät- und Nachtdienste, haben die Leitungen mit dieser Umschichtung begonnen die Spitzenzeiten der Pflege mit Teilzeitkräften für jeweils 3-4 Stunden „auszupolstern“. So waren in den Spitzenzeiten z.B. 4-5 Mitarbeiter bei 30 Bewohnern und in den „ruhigeren“ Zeiten oft nur zwei oder gar nur einer, damit war die Betreuungsarbeit massiv eingeschränkt, oder ganz unmöglich und man erlebte  immer unzufriedenere Mitarbeiter, die mit einer Pflege im Akkord belastet wurden. Die Ausweichreaktionen, wie Frau Heintze die Flucht in die Teilzeit nennt, waren also zugleich Ursache und Wirkung.

Insolvenz oder der Kampf um Qualität
Konnte man letztmalig 1994/95 noch zusätzliches Personal für die Betreuung dementer Bewohner verhandeln, war mit dem SGB XI und den sehr knappen Stellenschlüsseln jede Möglichkeit einer qualitativen Differenzierung in der Pflege fast unmöglich. Pflegesatzverhandlungen wurden ein Kampf um Cent und um die aufwendigen und zeitraubenden Verhandlungen zu umgehen, wurde vielfach nur die für alle Träger festgelegte pauschale Anhebung umgesetzt, womit die bereits entstandenen tatsächlichen Kostensteigerungen nicht abgedeckt werden konnten und die Schere zwischen Kosten und Erträgen immer größer wurde. Einrichtungen und ganze Träger führte das in den Ruin und die Betreiber verkauften ihre Unternehmen, nicht selten an Fondgesellschaften. Die Altenheime und Träger, die diese Entwicklung durchstanden, sind entweder ausgehöhlt und „verbrannt“ und machen ihre Arbeit mehr schlecht als recht, oder sie haben den Kampf mit den Pflegekassen und Sozialhilfeträgern aufgenommen und durch konsequente Verhandlungen bis hin zu juristischen Auseinandersetzungen, kostendeckende Pflegsätze durchgesetzt und mit einer engagierten Mitarbeiterschaft, trotz immer noch knapper Ressourcen, bis heute gute Qualität erbracht. An einem Pflegesatz Vergleich wird die Diskrepanz deutlich, bei der Gegenüberstellung der zwei Einrichtungen ist der Satz für den Pflegegrad 3 ausgewiesen und allein der Ertrag für die reine Pflege ist für einen Pflegebedürftigen im Monat um 1183 Euro höher, womit bei 30 Bewohnern zusätzlich 10 Mitarbeiter bezahlt werden können. (Die Beträge für die einzelnen Sachgruppen sind kalendertägliche Werte)

Pflegesatz  (Pflegepersonal)  85,06 €  47,52 €
Unterkunft (Reinigung, Wäsche, etc.)  16,13 €  12,10 €
Verpflegung (Essen+Zubereitung)  13,03 €  4,52 €
Invest. Kosten (Gebäudekosten)  15,80 €  4,00 €
Ausbildungsvergütung    0,00 €    3,04 €
monatl. (bei 30,42 Berechnungstagen)  3.775,73 €  2.165,30 €

Gerade aber diese Tatsache hat dazu geführt, dass viele Einrichtungen den Konkurrenzkampf über die Preise fürchteten und damit ihre Qualität immer schlechter wurde, die Mitarbeiter ausgelaugt sind und vielfach nicht mal mehr eine Pflege, die man als „satt und sauber“ bezeichnen kann, erbracht wird. Das Ergebnis ist bekannt, es ist der Pflegenotstand. Viele der Leitungen dieser Einrichtungen haben diese Entwicklung auch dadurch noch gefördert, indem sie den Druck ungebremst an die Mitarbeiter weitergegeben haben.

Meilensteine für eine positive Entwicklung
Deshalb sind 13000 zusätzliche Stellen ein Witz (pro Einrichtung eine), und Augenwischerei, denn die Altenpflege muss grundlegend reformiert werden und ein paar zusätzliche Stellen gehen meilenweit an der Realität vorbei. Der Anfang einer grundlegenden Reform muss neue, für alle verbindliche Stellenschlüssel festlegen, am besten ohne eine Differenzierung nach Pflegeraden. Der nächste Schritt ist ein einheitlicher, flächendeckender Tarifvertrag, der eine gleiche Bezahlung für alle Pflegekräfte garantiert und beide Maßnahmen müssen selbstverständlich über die Pflegesätze finanziert werden. Die Teilkaskoversicherung im SGB XI muss aufgehoben werden, denn die Kostensteigerungen darf man nicht auf die Bewohner bzw. ihre Angehörigen abwälzen. Als übergreifenden Qualitätsbaustein kann nur die Ergebnisqualität die Grundlage für zukünftige Prüfungen sein, sie ist ein wichtiger inhaltlicher Punkt, deren Einhaltung durch eine gut ausgestattete Heimaufsichten vor Ort zu begleiten und zu kontrollieren ist. Die MDK Prüfungen haben in den Jahren ihrer Existenz viele Kosten verursacht, die Mitarbeiter administrativ gebunden und nichts bewirkt, sie gehören abgeschafft.              Das sind die wichtigsten Meilensteine einer wirklichen Pflegereform, ergänzt um den Hinweis von Frau Heintze, dass es eine Frage sein wird, „ob die Regierung willens ist, dem Renditedenken in der Kranken- wie Altenpflege die Grundlage zu entziehen“. Die Fakten liegen alle auf dem Tisch und Herr Spahn betont immer wieder, dass er verstanden hat, jetzt müsste er einen Prozess einleiten, der diese Meilensteine umsetzt; es ist aber zu befürchten, dass das beschriebene Paket viel zu groß ist und die dafür benötigten Gelder in andere Bereiche fließen. Die Schwächsten in dieser Gesellschaft bleiben wieder auf der Strecke. „Sehr alt und pflegebedürftig zu werden, darf in Deutschland keine Horrorvorstellung werden“, sagt Diakonie Präsident Lilie, aber das wird unter diesen Umständen kaum zu verhindern sein.

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Gut, dass wir drüber gesprochen haben!

Frau Illners Parforceritt durch die Themen Pflege, war ein Versuch auf die Frage „Ist die Pflege noch zu retten“ Antworten zu finden. Um es vorweg zu nehmen, Vorschläge kamen von Betroffenen, aber die Politik war sehr zurückhaltend, was man schon als ein „nein“ bewerten muss.

Drei engagierte, selbstbewusste Frauen berichteten eindrucksvoll über ihre Erfahrungen mit der ambulanten Versorgung ihrer Mütter, Väter, Männer und forderten verbal geschliffen finanzielle und administrative Verbesserung von Herrn Spahn. Die Aussage von Frau Biberti, dass Angehörige super Experten sind, die nur das Geld benötigen, geht allerdings weit an der Realität vorbei, da gerade viele ambulante Pflegedienste erleben, wie schlecht und oft unterversorgt Pflegebedürftige zu Hause sind, weil ihre Angehörigen zwar das Pflegegeld kassieren, aber wenig tun. Leider wurde das nicht thematisiert.                                                         Mit der Aussage, dass „die Würde im Heim überall verletzt wird“, wechselte Frau Illner zur Heimpflege und hatte auch die entsprechenden Negativbeispiele dafür. Herr Spahn versuchte noch die Ehre vieler engagierter Pflegekräfte zu retten, aber den tatsächlichen Personalnotstand in vielen Heimen kann man nicht schön reden. Zur Sprache kam aber leider nicht und deswegen stimmt die Aussage von Frau Illner auch nicht, dass es Einrichtungen und Träger gibt, in der die Würde des Menschen im Mittelpunkt steht, die gute Konzepte, gute Mitarbeiter und auskömmliche Pflegesätze haben und beweisen, dass Pflegebedürftige sich dort wohl und gut behandelt fühlen. Diese Häuser könnten Vorbild sein und mit ihrer gelebten Praxis als Beispiel dienen, wohin sich schlechte Pflegeheime verändern müssen. Herr Bollinger hat eine grundlegende Systemänderung gefordert, die von allen unabhängigen Fachleuten auch gefordert wird.  Der bürokratische Aufwand der Einstufungsverfahren für die neuen Pflegegrade ist ein Beispiel, wenn man sie abschaffen würde und für alle Pflegebedürftigen im Heim den gleichen Satz bezahlt, stände die Ausrichtung auf die Bedürfnisse des einzelnen Menschen wieder im Mittelpunkt, ein kluger Ansatz. Herr Jorde wird nach seiner Ausbildung sicher ein engagierter Funktionär oder gar Politiker, denn sein kämpferischer Ansatz bringt die Probleme auf den Punkt.                              Leider hat die Redaktion Frau Illner mit den Pflegerinnen aus Polen ein Ei ins Nest gelegt, denn es macht keinen Sinn in einer solchen Sendung auch noch mit den „legitimen Pflegesklaven“ aus den Osteuropäischen Ländern Reklame zu machen, weil sie in zu vielen Haushalten ausgebeutet werden. Zum Schluss wurde noch das Hausgemeinschaftsprinzip gepriesen, dass es in vielfältiger Form seit Jahren in der Pflege gibt, auch nicht neu ist und vor allem von engagierten Angehörigen lebt, aber Herr Pfister verkauft es am besten. Das Frau Kipping zwischendurch eine Aufwertung des Berufs Pflege, mehr Geld, eine bessere Bezahlung und schnelleres Handeln der Politik forderte, waren keine neuen Erkenntnisse und ergänzte die Aussagen in der Runde nicht wesentlich, lediglich die Tatsache, dass Pflege zum Markt für Renditejäger geworden ist, war wichtig und sollte die Politik auf den Plan rufen.

Bleibt zum Schluss die Frage: Ist die Pflege nun zu retten? Nein, Herr Spahn hat die Probleme zwar erkannt, weist aber auf die Kostensteigerungen der letzten fünf Jahre um 50% von 24 auf 36 Milliard. Euro hin und erklärt wiederholt, welche Bausteine doch jetzt schon in der Pflegeversicherung zur Verfügung stehen. Seine eigentliche Aussage aber macht es deutlich, „ich werde nichts versprechen, was ich nicht halten kann“. Ein ehrlicher Hinweis, dass Politik die Pflege nicht retten wird, aber es ist gut, dass wir mal darüber gesprochen haben.

 

 

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Best practice, mehr Geld, gute Gehälter, mehr Personal!

Pflegeheime haben eine gute Chance die Personalprobleme in der Altenpflege selber positiv zu beeinflussen, denn wenn sie darauf warten, dass Politik die Probleme des Pflegenotstands löst, werden Jahre vergehen. Also jetzt ran und Pflegesätze verhandeln, die die vorgegebenen Stellenschlüssel ausschöpfen und Tariflöhne refinanzieren. Wir alle kennen die Ursachen des Pflegenotstands, das sind vor allem überforderte, ausgebrannte und schlecht bezahlte Mitarbeiter. Die Umkehrung ist dem zufolge eigentlich logisch, die zur Verfügung stehenden Personalschlüssel müssen in der Pflege realisiert und die Mitarbeiter nach Tarif bezahlt werden. Ja, natürlich einfacher gesagt, als getan, aber wenn es einfach wäre, hätten es sicher viele Träger auch längst gemacht. Was ist zu tun? Die Pflegesätze quer durch die Bundesrepublik weisen sehr große Differenzen auf, die Träger mit niedrigen Pflegesätzen müssen also ihre Beträge an die höheren anpassen. Vergleichen wir die Sätze von zwei Einrichtungen für den Pflegegrad 3, mittlere Stufe, in der ein großer Teil der Pflegebedürftigen eingestuft ist, miteinander:

Einrichtung   A Einrichtung B Differenz  B zu A
Monatl. Entgelt über Alles

2165,13 €

3985,92 €

1820,64 €

Anteil Pflegeentgelt

1445,56 €

2301,58 €

856,02 €

Anteil Unterkunft u. Verpflegung

505,58 €

1151,70 €

646,12 €

Tägl. Satz für Verpflegung

4,52 €

16,47 €

Die Differenz zeigt sehr deutlich worum es geht. Einrichtung B kann mit ihren Erträgen aus dem Pflegeentgelt viel mehr Personal für die Pflege einstellen. Einrichtung A finanziert mit ihrem Betrag z.B. für eine Pflegegruppe mit 30 Bewohnern 10,7 Stellen, Einrichtung B kann bei gleicher Bezahlung hingegen aus ihrem Pflegeentgelt für eine gleich große Gruppe 19,8 Mitarbeiter beschäftigen. Das heißt B kann fast doppelt so viele Mitarbeiter finanzieren wie A. (Übrigens, bei Einrichtung A würde ich gerne mal schauen, was es für 4,52 Euro am Tag zu Essen gibt). Die Konsequenz kann also nur sein, die Pflegesätze neu zu verhandeln und bei diesen Verhandlungen auf den vorgegebenen Stellenschlüsseln und einer tariflichen Bezahlung zu bestehen. Die gesetzlichen Vorgaben dafür sind da und wenn alle es machen würden, entstände auch der notwendige Druck bei der Politik, für die Finanzierung zu sorgen.

Träger und Einrichtungen, die seit Jahren erfolgreich eine konsequente Pflegesatzpolitik betreiben, beweisen, dass hohe Pflegesätze und eine gute, qualitative Arbeit zusammen passen und sie beweisen, dass Mitarbeiter in ihren Häusern eine bessere Arbeitszufriedenheit haben, die Krankheitsquoten geringer sind und sie auch besser Personal finden. Dazu gehört allerdings außerdem eine positive Leitungsphilosophie, die auf Motivation und nicht auf Druck setzt. Packen sie es an, es lohnt sich für motivierte Mitarbeiter zu kämpfen, die mehr Zeit für ihre Bewohner haben.

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Naiv oder nur gut gemeint?

Es ist doch Nachdenkens wert, wenn eine DBfK-Funktionärin feststellt, dass „langjährige Pflegekräfte gehegt und gepflegt werden“ müssten. Im Duden stehen für die Begriffe „hegen und pflegen“ die sinnverwandten Wörter, bemuttern, betüdeln, umsorgen, verwöhnen. Die Begriffe verfehlen allerdings ihr Ziel, und vereinfachen auf banale Weise das wirkliche Problem. Mitarbeiterzufriedenheit erwächst aus einer wichtigen Tatsache, nämlich, dass Anspruch und Wirklichkeit übereinstimmen, oder entsprechend bei Unzufriedenheit, dass sie eben nicht mehr übereinstimmen, so wie es sich jahrelang in der Pflege entwickelt hat. Mitarbeiter kommen mit einem Berufsanspruch in diese Arbeit und erleben einen Pflegealltag, der nichts oder nur noch sehr wenig mit ihrem Anspruch zu tun hat (SOLL / IST Vergleich). Alle kennen die Wirklichkeit, eine Pflege im Minutentakt, drei, vier Wochenenddienste hintereinander, Medikamente bei Weglaufgefährdung, etc., etc. Die Konsequenzen sind längst klar und der sich daraus ergebene Fachkräftemangel und der eklatante Pflegenotstand sind nicht neu und wurden nur jahrelang schön geredet. Wer glaubt, das könne man jetzt mit tröstenden Worten und etwas mehr Gehalt lösen, liegt falsch. Natürlich muss der Staat richtig Geld in die Pflege stecken, damit Anspruch und Wirklichkeit wieder überein stimmen, er wird es aber vermutlich in dem Umfang, wie es nötig ist, nicht machen.

Was jetzt den Mitarbeitern gut tun würde und schon immer gut getan hätte, wäre vor allem mehr Professionalität in den Führungsetagen, bei Einrichtungsleitungen und Pflegedienstleitungen. Eine professionelle Führung beginnt mit der aufrichtigen Wertschätzung der Mitarbeiter, dazu gehört eine offene und verbindliche Kommunikation; klar definierte und nachvollziehbare Strukturen verbessern die Orientierung für die Mitarbeiter und ihre Einbindung in notwendige Entwicklungen nimmt sie Ernst; wenn dann noch eine positive, anerkennende Sprache im Alltag gelebt wird, ist das ein Grundstein für eine konstruktive Mitarbeiterpflege. Wenn Führungskräfte das lesen, werden sie sagen, „aber das machen wir doch alles“, wirklich? Wie schnell übertragen Leitungen ihren eigenen Druck und Frust auf die Mitarbeiter und leben ihn dort aus, indem sie z.B. zu Untergebenen gehen und sie über andere Mitarbeiter aushorchen, wie selbstverständlich Strukturen aushebeln und damit Unsicherheiten schüren, wie viel wird hinterm Rücken getratscht und nicht offen kommuniziert und wie oft äußert sich ein Vorgesetzter in Anwesenheit von Mitarbeitern abfällig über Kollegen, um nur einiges zu nennen.

Illustration Jürgen Pankarz

„Hegen und zu pflegen“, ist vielleicht gut gemeint, aber gut gemeint ist nicht gut gemacht. Mitarbeiter haben genug Druck durch ihre Arbeit, sie brauchen nicht noch mehr von Oben, positive Vorbilder sind das Stichwort. Wir brauchen eine offene, respektvolle, klare und anerkennende Führungskultur, da arbeiten Mitarbeiter gerne und fühlen sich auch wohl.

 

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