Eine Talkshow ist eine ..lkshow, ist eine ….show.

Das Thema Pflege ist in der Öffentlichkeit angekommen und wird z.Zt. durch jede Talkshow gereicht. Politiker, Pflegewissenschaftler, pflegende Angehörige, Pflegerinnen und Pfleger und andere sogenannte Experten kommen zu Wort und sollen Antworten geben auf Fragestellungen wie: „Hilflose Patienten, überfordertes Personal – Ist die Pflege noch zu retten?“ WDR, oder „Alptraum Pflegeheim – wo bleibt die Würde? SWR, oder Pflegenotstand 2018 „Ist die Pflege noch zu retten“ ZDF, oder „Notstand bei der Pflege- Was ist jetzt zu tun?“ ARD. Es ist sicher wichtig, wenn pflegende Angehörige von ihrer Not berichten, Pflegekräfte sich zu den massiven Überforderungen äußern, die verschiedensten Experten ihre neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Pflegenotstand vortragen, oder Politiker das Erreichte in der Pflegeversicherung preisen und mehr Geld versprechen, aber valide Antworten gibt es nicht. Um nicht missverstanden zu werden, Talkshows ja, aber bitte mit mehr Inhalt und weniger Show.

Die Situation in der Pflege bleibt wie gehabt, hunderttausende von Pflegebedürftigen warten weiter darauf, dass jemand Zeit für sie hat:
– ihr Inkontinenzmaterial wechselt, in dem sie schon seit Stunden liegen,
– den Kathederbeutel leert, der fast überläuft,
– ihnen das volle Essenstablett wegräumt, obwohl sie alleine nicht essen konnten,
– vielleicht mal ein paar Minuten bei ihnen bleibt, damit sie einmal über ihre Nöte und Ängste sprechen können, und, und, und.
Halten wir einen Augenblick inne und vergewissern uns, was Pflegenotstand wirklich heißt: ja klar, es gibt viel zu wenig Pflegepersonal, aber es heißt vor allem, mehrere hunderttausend abhängige, hilflose, in ihrer Person „gefesselte“, oftmals sprachlose pflegebedürftige Frauen und Männer sind der Willkür des Systems und deren Akteuren ausgeliefert in dem sie sich aktuell befinden. Sie sind physisch und psychisch nicht nur unterversorgt, sondern vielfach sogar einer lebensbedrohlichen Situation ausgeliefert, verkümmern sozial, weil sie in ihrem Bett nur für Minuten am Tag jemanden sehen, sind schon seit Monaten sediert, damit die Mitarbeiter nicht durch sie belastet werden, oder sterben einsam und allein in ihrem Zimmer, ohne Ansprache und Begleitung.

Verschließen wir nicht die Augen vor der Wirklichkeit. Dass in ein paar Talkshows versucht wird, sachlich, aber vor allem emotional über die Situation der Pflege zu sprechen, berührt die Zuschauer und gibt den Talkmastern*innen das Gefühl, sie hätten sich für eine oder eineinhalb Stunden als Lobbyisten engagiert, ändert aber nichts. The Show must go on. Die Talkshow Redaktionen bereiten schon die nächste Show vor, die öffentliche Seele regt sich noch eine Weile in den Sozialen Medien auf, Politik wird weiterhin wortgewaltig Großes ankündigen aber nur Trostpflästerchen verteilen und die hilflosen, abhängigen Menschen liegen weiter in ihren Exkrementen.

Diese Gesellschaft und ihre Politiker versündigen sich, weil sie nicht begreifen, dass dieser Notstand eklatant die Würde des Menschen verletzt und der Artikel 1 des GG damit zu einer Farce wird: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“. Das aber scheint die verantwortlich Handelnden nicht zu interessieren. Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer wehren sich gemeinsam gegen höhere Sozialabgaben, die Politik argumentiert mit der SCHWARZEN NULL, und die kommunalen Kassen sind schon seit langem leer. Bleibt die Frage: Wie viel ist uns der Schutz der Würde wert?

 

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