Pflegenotstand und keine Ende in Sicht!

Fachkräftemangel: 20.000, 50.000 oder 100.000 offene Stellen in der Pflege, die Artikel über dieses Thema in der Presse überbieten sich bei den aktuellen Zahlen und ebenso bei den Prognosen für die Zukunft, aber auf mehr oder weniger kommt es nicht mehr an, denn der Fachkräfte Mangel wird von Tag zu Tag ein unüberwindbareres Problem und wirkliche Lösungen sind nicht in Sicht.

Was sind die Ursachen; neben der Tatsache, dass zu wenig ausgebildet wird, hat sich in den letzten Jahren, Jahrzenten ein Teufelskreis entwickelt, der durchbrochen werden müsste. Preiskontrollen bis hin zum Preisdiktat durch Pflegekassen und Sozialhilfeträger, ein ruinöser Wettbewerb unter den Einrichtungen, eine politisch forcierte Abwertung der Pflege in den Heimen und eine gleichzeitig ansteigende Zahl der Pflegebedürftigen, verbunden mit einer Zunahme von komplexeren medizinischen Problemlagen, haben zu massiven Belastungen und damit Überforderungen der Mitarbeiter geführt. Die Konsequenzen sind bekannt, erhöhte Krankheitsquoten bei den Mitarbeitern und zunehmend mehr Berufsaussteiger. Auf der Internetseite www.gutefrage.net antwortet ein Fachkraft auf die Frage:

„Warum gehen nicht mehr Leute in die Pflege arbeiten?“                        
Antwort von Geraldianer am 20.05.2017:

  • Altenpfleger verdienen heute etwa 3.000 € brutto im Monat, wenn sie einige Jahre bei einem guten Träger arbeiten.
  • In vielen, besonders privaten und ambulanten Einrichtungen wird aber schlechter gezahlt. In Ostdeutschland noch viel weniger. In manchen Einrichtungen gibt es auch sehr schlechte Arbeitsbedingungen.
  • Der Arbeitgeberverband mit seinem Chef-Lobbyisten Rainer Brüderle (genau der mit der weinseligen Stimme) versucht Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen zu verhindern.
  • Viele Leute haben Angst sich zu ekeln, vor allem Männer aber auch junge Frauen haben lieber Berufe die vom Status mehr her machen.
  • Viele Einrichtungen suchen lieber mit teuren Werbekampagnen neues Personal als die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
  • Dazu kommen die realen Belastungen: Zeitdruck, körperliche Belastungen, Schichtarbeit schrecken viele Bewerber ab und nicht jeder ist den Beanspruchungen gewachsen. Aber der Beruf hat auch schöne Seiten. Beispielsweise der Umgang mit Menschen und es wird nie langweilig.
  • Wenn Personal fehlt wird der Druck auf die Mitarbeiter noch größer. Das ist leider ein Teufelskreis. Die Pflege muss in den nächsten Jahren sicher stärker hierarchisch aufgebaut werden. Es werden zunehmend Menschen mit geringer Qualifikation eingestellt werden, die die Fachkräfte von den einfachen Arbeiten entlasten.

Bedingungen, die nicht gerade motivieren, diesen Beruf zu ergreifen. Die Lösung, die der Verfasser aber für die Zukunft sieht, werden in einem fachlichen Desaster münden, heißt, die fehlenden Fachkräfte werden durch Hilfskräfte ersetzt und die Qualität der Arbeit sinkt weiter ab. Wenn sich nicht radikal etwas ändert, ist abzusehen, dass es so kommt. Die Politik wird stillschweigend „zuschauen“, denn damit würde die Pflege billiger, im wahrsten Sinne des Wortes und die Ausgaben würden nicht weiter steigen und beteuert wird selbstverständlich, dass man alles tut um es zu ändern.👎

Die „Lösungen“, die viele Träger heute schon einsetzen heißen: Kosten reduzieren, aber das ist ein Schuss nach hinten. Der richtige Weg ist eine gleiche und leistungsgerechte Bezahlung für alle Pflegekräfte in Deutschland, das ist eine grundlegende Forderung und müsste schnellstens realisiert werden. Seit vielen Jahren wird in einer Fülle von Gremien, auf Konferenzen, in Arbeitskreisen und Fachtagungen viel geredet, und noch mehr gefordert, aber nichts zielführendes getan. In der Zwischenzeit verschärft sich die Situation weiter von Tag zu Tag, von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr. Um Goethe, mit kleinen Änderungen, zu zitieren: „Der Worte sind genug gewechselt, Laßt uns nun endlich Taten sehn! Indes ihr Ausschüsse nur drechselt, könnt etwas Nützliches geschehn“.

Es wird Zeit, dass die Altenpflege geschlossen und nachhaltig auftritt, das Verbände und Fachgremien aufhören mit der Politik einen Kuschelkurs zu fahren und mit der sprichwörtlichen Faust auf den Tisch hauen. Politik wird freiwillig immer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner anbieten und bei jeder kleinen Änderung denken alle, „na ja, wenigstens ein Anfang“. Der Pflegenotstand bringt jeden Tag viele Menschen um eine menschenwürdige Pflege und Mitarbeiter an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Wer will verantworten, dass die Schwächsten und Hilflosesten unter uns, die ihre Leistungen für diese Gesellschaft erbracht haben, durch diese gleiche Gesellschaft zu Opfern im System werden?

 

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