Pflegekammern: Viele Köche verderben den Brei!

Der Ruf nach Pflegekammern, besser Pflegeberufekammern, vermittelt im Augenblick den Eindruck, dass sie eine Möglichkeit seien, den Pflegenotstand besser bei den Politikern zu platzieren. Natürlich ist es gut, wenn Fachleute eines Berufsstandes sich solidarisieren und in einem organisierten Rahmen austauschen um Qualität und Ethik ihres Berufes zu diskutieren und Standards festzulegen. Bis diese Kammern aber arbeitsfähig sind, müssen sie erst einmal aufgebaut werden, sie müssen auf Länderebene organisierte werden und das bedeutet: sechzehn Länderkammern, mit sechzehn Organisationen, die, wenn sie überhaupt politisch Einfluss nehmen wollen, einen bundesweiten Zusammenschluss brauchen. Es gibt aber jetzt schon eine Fülle von Organisationen und Verbänden zum Thema Altenpflege, die jeweils für sich in Anspruch nehmen, ihre Mitglieder zu vertreten, aber kaum erfolgreich sind, sonst hätten wir keinen Pflegenotstand!

Ein kurzer Überblick über die Verbandsvielfalt: Als größte Interessenvertretungen Sozialer Arbeit in Deutschland und damit auch der Altenhilfe, ist die Freie Wohlfahrtspflege zu nennen, deren sechs Mitgliedsverbände in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege zusammengefasst sind. Diese sechs Mitglieder sind: 1. Arbeiterwohlfahrt (AWO), 2. Deutscher Caritas Verband (DCV), 3. Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband- DER PARITÄTISCHE, 4. Deutsches Rotes Kreuz (DRK), 5. Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (DW der EKD), 6. Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWSt). Sie alle sind in Berlin akkreditiert und sprechen mit den Politikern, leider mit sehr wenig Einfluss. Zu jeder dieser Organisationen gehören dann noch  eigene Fachverbände. Da gibt es z.B. den -Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland e. V. (VKAD)-, oder -Deutscher Evangelischer Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP)-, um nur die zwei größten zu nennen, auch die versuchen mit ihren Vertretern Lobbyarbeit zu machen. Neben der Gruppe der Karitativen Träger, werden über 40 Prozent der Altenheime auch von privaten Anbietern betrieben, diese lassen sich in eigenen Organisationen vertreten, wie z.B. dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) oder dem Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e.V. (VDAB). Für die Mitarbeiter in der Pflege gibt es darüber hinaus noch eine Fülle von Berufsverbänden, sechzehn von ihnen haben sich im Deutschen Pflegerat zusammengeschlossen, der für sich ganz besonders in Anspruch nimmt, die Pflegekräfte zu vertreten. Ihr langjähriger Vertreter in Berlin war übrigens Herr Westerfellhaus, jetzt Pflegebeauftragter bei Herrn Spahn. Dann gibt es noch div. Arbeitgeberorganisationen und natürlich auch die Gewerkschaften. Also eine fast unüberschaubare Fülle auch untereinander konkurrierender Interessenvertretungen allein für die Altenhilfe. In hunderten von Fachgruppen, Gremien, Ausschüssen und Vorstandssitzungen wird seit Jahren in diesen Verbänden viel diskutiert und beraten, aber es gibt keine klare Linie, die die Probleme und Notwendigkeiten für eine gute Pflege über die Vielfalt der Institutionen hinaus an einer Stelle zusammenführt. Auf Grund von Interessenkonflikten, Machtansprüchen, Vertretungsrechten beschäftigen sich die Mitglieder in diesen div. Systemen vielfach mit sich selber und haben kein gemeinsames Ziel und somit leider kein starkes und geschlossenes Auftreten gegenüber der Politik.

Schön wenn die Fürsprecher und Mitstreiter für die Pflegekammern jetzt hoffen, dort eine Lücke schließen zu können. Es werden sich sicher interessante Gesprächskreise bilden, aber es ist zu vermuten, dass die zigste Interessenvertretung für Pflege nur ein weiteres Steinchen im Konglomerat des riesigen Kieshaufens der Interessenvertretungen Pflege sein wird. Für die Politik ist das gut, solange sich diese Organisationen mit sich selber beschäftigen, bleibt der Druck auf sie schwach. Pflege braucht aber einen starken, zentrierten Druck auf die Politik, damit sich etwas grundlegendes ändern kann und die Politiker spüren, dass sie mit Kompromissen nicht mehr weiter kommen. Es gibt wirkungsvollere Möglichkeiten auf die Probleme der Pflege aufmerksam zu machen, z.B. das geschlossene Auftreten aller Pflegekräfte, wie nennt man das noch…?.

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