Offener Brief an die ARD!

Sehr geehrte Damen und Herren der ARD Redaktion, die Sendung „Wie lösen wir den Pflegenotstand“, die sie der Produktionsfirma von Frau Maischberger abgekauft haben, könnte man, wenn man sehr böswillig wäre, unter dem Thema „Außer Spesen nichts gewesen“ abbuchen. Wie so oft bei solchen Talk-Shows, muss man sich die Essenz einer solchen Runde selber suchen. Aber nacheinander, Frau Berger und Frau Hallerman haben eindrucksvoll ihre persönlichen Erfahrungen mit Pflege vorgetragen, Erfahrungen, die täglich hunderttausende von Angehörigen in den unterschiedlichsten Ausprägungen erleben, die den Zuschauer sehr betroffen machen und den Pflegenotstand in Deutschland bestätigen, aber die wirklichen Veränderungsvorschläge vermissen liessen, außer dass das „Haus Pflege“ neu gebaut werden muss (Frau Hallermann). Herr Plett hat die Lanze für die Altenpflegekräfte gebrochen, die auf der einen Seite massiv überfordert sind, aber z.T. auch eine persönliche Befriedigung in dem Beruf finden. Es ist bekannt und allen klar, dass mehr Personal in der Pflege dringend nötig ist. Herr Rieger hat deutlich gemacht, dass man vom Polizisten über den Immobilienmanager zum Pflegerebell werden kann, indem man sich öffentlich gegen MDK Prüfungen wert und Herr Greiner hat sich, wie erwartet, um konkrete Antworten auf an ihn gestellte Fragen herumgedrückt, stattdessen dafür plädiert, dass man die Noten des MDK „richtig“ lesen muss. Konstruktive Anregungen waren verständlicherweise von diesen Gesprächspartnern auch nicht zu erwarten, weil sie doch in ihrem eigenen Erleben stark gefangen sind. Bei einem Aufsatz in der Schule zu dem Thema hätte der Lehrer darunter geschrieben „Thema verfehlt“.

Herr Spahn hat sich in dieser Runde sehr bemüht am eigentlichen Thema zu bleiben, er würde z.B., wenn der Koalitionspartner mitzieht, die MDK Prüfungen sofort aussetzen bis sich etwas „Besseres“ findet, das ist doch schon mal ein Wort. Darüber hinaus bestätigte er viele der Anmerkungen seiner Gesprächspartner und wiederholte mehrfach: „das verstehe ich gut, und „darüber müsste man sprechen“. Seine eigentliche Aussage aber trifft den Kern des Problems, nämlich, das an der Decke (der Finanzen) Viele ziehen, heißt: jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Diese Botschaft macht klar, Politik wird nur sehr begrenzt Mittel einsetzen um den Pflegenotstand zu beheben und daraus gibt es für alle Aktiven in der Pflege nur eine Konsequenz, „hilf dir selbst“. Frau Berger hat dann ungewollt aber sehr aufrichtig und sensibel den Schlusspunkt gesetzt und der heißt in der Übersetzung, „wenn ich einmal schwerstpflegebedürftig werden würde, möchte ich nicht mehr leben“, das hat sie so mit ihren Kindern besprochen. An dieser Stelle kommt dann wieder die Politik ins Spiel, die auf der einen Seite seinen Bürgern vorschreibt wie sie zu sterben haben (§ 217 StGB), aber nicht die notwendigen Mittel und gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür zur Verfügung stellt, dass eine pflegebedürftige Zeit bis dahin menschenwürdig und mit Fachverstand gestaltet werden kann. Sehr geehrte ARD Redaktion, das wäre doch mal ein Spannungsfeld, das sachkundig und kompetent diskutiert werden müsste.

Illustration Jürgen Pankarz
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