Wie macht man Jobs in der #Pflege attraktiver?

Pflegenotstand (nur) in Bayern? BP24 vom 10.04.18. Der Schlagzeilen-Journalismus zu den aktuellen Problemen blockiert leider immer wieder die Tatsache, dass Pflegebedürftige in der Altenpflege zum „Abfallprodukt“ unserer Wahrnehmung werden.

Die pflegebedürftige 82 jährige demente Frau K. lebt seit 4,5 Jahren im Heim XY; sie hat keine Verwandten mehr. Seit 3 Jahren kümmert sich ein Berufsbetreuer um ihre finanziellen und administrativen Angelegenheiten, er hat über 60 weitere Klienten und kann aus Zeitgründen nur alle sechs Wochen mal nach ihr  schauen. Frau K. hat Pflegerad 4 , sie hatte einen starken Bewegungsdrang, früher ist sie mit ihrem Mann viel gewandert, ist immer unruhig durchs Haus gelaufen und hat es auch öfters verlassen, sodass sie gesucht werden musste. Ein Oberschenkelhalsbruch wurde nicht richtig auskuriert und der Personalmangel verbunden mit dem häufigen Wechsel der Mitarbeitern, hat auch dazu geführt, dass der Diabetes oftmals unkontrolliert blieb, sodass Frau K. ein Unterschenkel amputiert werden musste. Der Betreuer wurde über die gesundheitlichen Veränderungen informiert, hat tel. auch mal nachgefragt, konnte die Situation aber letztendlich nur aus der „Ferne“ verfolgen. Nun liegt Frau K. fest im Bett, die Beruhigungstabletten, der Sturz, der unkontrollierte Diabetes haben das ihre getan und so müssen die Mitarbeiter (2 bei 34 Bewohnern in einer Schicht) nicht mehr hinter Frau K. herlaufen und können ihr regelmäßig die Medikamente verabreichen, wenn diese auf Grund des Personalmangels überhaupt ordnungsgemäß vorbereitet sind.

„Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt.“ Zitat von Gustav Heinemann. Wie viele der über 800.000 Pflegebedürftigen in deutschen Heimen müssen unter den beschrieben und oft noch schlechteren Bedingung vor sich hin vegetieren. Was hat diese Gesellschaft mit den schwächsten und hilflosesten Mitgliedern gemacht? Sind das attraktive Arbeitsbedingungen für motivierte und engagierte Pflegekräfte? Politik hat in den letzten 20 Jahren aus Pflege einen Markt gemacht, die Kosten gedrückt und die Kontrollen erhöht, jetzt steht sie vor dem Scherbenhaufen und hat wieder nur Trostpflaster anzubieten. Wann gibt es eine richtige Reform der Pflege, damit Pflegekräfte wieder Freude an ihrem Beruf haben, dann ist er auch wieder attraktiv.

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