Pflege ohne Ethik ist wie atmen ohne Luft!

Am 1. April hat bei Korian, dem größten deutschen Betreiber in der Altenpflege, ein „Experte der Gesundheits- und Pflegebranche“ begonnen, der als Leiter für den Bereich Qualität und Ethik zuständig ist. Korian schreibt in seiner Presseerklärung: „Wir freuen uns sehr darüber,…..einen ausgewiesenen Experten gewonnen zu haben, der innovativ und vernetzt denkt, und insbesondere bei den Praktikern anerkannt ist, weil er den Status quo der Pflege hinterfragt“. Es ist sehr zu begrüßen, wenn ein Konzern dieser Größenordnung einen Fachmann hat, der das Thema der Ethik in der Pflege in seiner Verantwortung sieht. Gibt es noch ein Bewusstsein für ein ethisches Handeln im Alltag, bei dem massiven ökonomischen Druck?

Machen wir es uns noch einmal bewusst, Ethik in der Pflege, so wird es vielfach in der theoretischen Ausbildung den Altenpflegeschülern vermittelt, hat vier übergreifende Prinzipien:
Prinzip der Ehrfurcht vor dem Leben! Jeder Mensch hat seine Würde, unabhängig davon, in welchem körperlich-geistig-seelischen Zustand er sich befindet. Diese Würde dauert bis zum Ende seines Lebens an und darf durch keinen anderen Menschen, durch eine Menschengruppe oder durch ein Gesetz aufgehoben und verletzt werden.
Prinzip der Autonomie/Selbstbestimmtheit!  Wille und Würde des Pflegebedürftigen stehen über jeder Pflegehandlung
Prinzip des Guten Tuns! Das Wohlbefinden soll gefördert werden. Entscheiden, was als Gutes Tunin der jeweiligen Situation beurteilt wird
Prinzip des Nicht-Schadens! Pflegebedürftige dürfen in körperlicher, seelischer und geistiger Unversehrtheit nicht geschädigt werden.

Mitarbeiter in der Pflege bringen als ihre persönliche Grundhaltung sicher die „Ehrfurcht vor dem Leben“ mit. Wie viel Zeit, Kraft und Geduld haben sie aber bei dem Personalmangel, den Willen eines Pflegebedürftigen zu erkunden und dann auch in ihrem Handeln umzusetzen und darüber hinaus auch noch das Wohlbefinden zu fördern? Die Frage einer möglichen Schädigung im körperlichen Bereich ist schon heute nicht mehr immer genau abzugrenzen, wie sieht es dann erst recht mit der seelischen und geistigen Unversehrtheit aus? Eine Mitarbeiterin ist dabei eine Bewohnerin vom Stuhl am Esstisch in den Rollstuhl zu setzen. Diese ist sehr ungelenk und die Mitarbeiterin packt sie am Hosenbund, reißt sie rüber und brüllt sehr wütend: „Mensch jetzt hilf endlich mit und beweg deinen Arsch mal rüber“. Eine von sehr vielen Situationen im Pflegalltag, die Insider, wenn sie ehrlich sind, sicher alle kennen. SEELISCHE UND GEISTIGE UNVERSEHRTHEIT?

Ich würde mir wünschen, dass der Experte für Qualität und Ethik in einem Unternehmen, das mit einem Jahresumsatz von 3,135 Milliarden Euro in 2017, davon allein in Deutschland 882 Mill. und prognostizierten Steigerungsraten zwischen fünf und acht Prozent p.a., der oben beschriebenen Ethik in seinen Einrichtungen wieder mehr Raum gibt und einen Rahmen dafür schafft, dass die Mitarbeiter diesen Raum auch wirklich füllen können. Korian schreibt allerdings auch: „er soll den Vorstand dabei unterstützen, KORIAN als Marke zu profilieren, die für nachhaltiges Wirtschaften, höchste Qualitätsstandards und Innovation steht, und somit als Top-Mitarbeitermarke zu etablieren“. Es ist zu befürchten, dass da nicht mehr viel Raum für die Ethik bleibt.

 

Beitrag teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.